Du bist nicht angemeldet.

WoW-Castle auf Facebook WoW-Castle auf YouTube WoW-Castle auf Twitter WoW-Castle als RSS-Feed

MaxSpace

Schüler

  • »MaxSpace« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 151

  • Private Nachricht senden

1

Dienstag, 2. April 2013, 21:26

Schicksalswege

Die Räder des Karren wirbelten kleine Staubfahnen auf. Die Wege in Westfall waren schrecklich. Es waren nicht einmal Wege, sondern mehr Trampelpfade. Die Sonnen brannte schon seit einigen Tagen heiß auf den Boden. Das Gras nahm schon eine gelbe Färbung an.
Raknos Beran war froh, dass er seine Ernte schon eingebracht hatte. Nun war er auf dem Weg nach Sturmwind, die kleinen Überschüssen zu verkaufen, um davon neues Saatgut zu kaufen. Außerdem hoffte er, dass ein paar Silberstücke übrig blieben, denn Raknos wollte seine Frau Ellen mit ein paar Stoffballen überraschen. Sie hatte schon eine ganze Zeit auf ihn eingeredet.

„Delgar braucht eine neue Hose.“, hatte sie schon vor Wochen zu ihm gesagt.
Delgar war ihr mittlerer und schon 14 Jahre alt. Dann kam sein Bruder Tereda. Er war nur 2 Jahre jünger, aber er hatte die gleichen Flausen im Kopf wie sein großer Bruder. Bella, Raknos Frau, war sich sicher, dass Raknos
den beiden die Wildheit vererbt hatte.
Und dann war da noch Lia. Sie war mit 16 Jahren die älteste ihrer drei Kinder und kam ganz nach ihrer Mutter. Raknos liebte Lia. Er liebte auch seine Söhne, aber sie war etwas besonderes. Immer wenn er seine Tochter
sah, schien sie sämtliche trüben Gedanken im Nichts verschwinden zulassen. Sie schaffte es, jeden fröhlich zu stimmen. Doch nun war sie schon fast eine Frau. Wahrscheinlich würde es nicht mehr lange dauern, bis sie den Hof verließ und eine eigene Familie gründete. Sie traf sich heimlich mit einem Jungen aus der Nachbarschaft. Raknos wusste es, aber er tolerierte es und musste jedes mal grinsen, wenn Lia meinte sie sei unbeobachtet und sich mit Geron traf. Geron war ein netter junger Mann. Er war sehr talentiert und Raknos war guter
Dinge, dass die Beiden ihren Weg machen würden.
Bei diesen Gedanken fühlte er einen kleine Stich. Schließlich würde Lia den Hof verlassen, aber sie war nicht aus der Welt. Vielleicht würden die Beiden sogar in Westfall bleiben.
Raknos steuerte auf die Brücke, die in den Wald von Elwynn führte zu.

„Seit gegrüßt Raknos“, rief ihm Bauer Braunwirbel zu. „Auf dem Weg nach Sturmwind?“
„Ja. Mein Weib braucht einige Dinge und mein Acker neue Saat.“, rief er zurück.
„Die Saat ist nicht so wichtig.“, meinte Braunwirbel. „Du darfst deine Frau nicht erzürnen.“

Raknos musste lachen, hob die Hand und folgte weiter dem Weg. Zwei Wachen aus Sturmwind standen auf der Brücke und nickten ihm freundlich zu. Eine Stunde später hatte er Goldhain erreicht. Goldhain war eigentlich
kein Dorf, sondern bestand vielmehr aus einer Schmiede, einem Gasthaus und einem weitern, aber etwas angelegenen Haus. Aber hier waren die Übernachtungen billiger als in Sturmwind und deshalb war
das Gasthaus gut besucht. Eine weitere halbe Stunde später schritte er durch das steinerne Tor Sturmwinds. Riesige steinerne Abbilder Azeroths Helden standen im Tal der Helden. Jedes Mal war er von den Stauen beeindruckt. Dann betrat er mit seinem Karren das Handelsviertel.

Hier pulsierte das Leben. Es waren dutzende von Menschen, Zwerge, Gnome und Nachtelfen auf den Straßen unterwegs. Er wandte sich nach rechts und schritt durch einen Torbogen der zu den Kanälen führte. Durch einen weiteren auf der anderen Seite des Kanals, betrat er die Altstadt.
Hier betrat eines der Häuser.

„Schön euch mal wieder zusehen.“ Jehmal begüßte Raknos freudig.
„Ich mich auch.“, entgegnete er.
Jehmal lachte laut auf. „Das kann ich mir vorstellen.“, meinte er mit einem breiten Grinsen. „Schließlich wollt ihr mich mit euren Waren um mein Geld erleichtern.“
„Gutes Geld für gute Waren.“, sagte Raknos.
„Für wahr.“
Jehmal nickte zustimmend. „Eure Waren sind immer gut. Anscheind meinen es dir Götter gut mit eurem Acker.“

Er trat um seinen Tresen herum. Der Mann war klein, aber kein Zwerg. Obwohl Raknos der Meinung war, dass ein Teil seiner Eltern ein Zwerg gewesen sein musste. Aber diesen Verdacht sprach er natürlich nie aus. Jehmal hätte ihn aus dem Laden geworfen und wahrscheinlich dafür gesorgt, dass niemand in Sturmwind jemals etwas von ihm gekauft hätte.

Zusammen gingen sie vor die Tür wo Raknos sein Karren abgestellt hatte. Jehmal betrachtete die Früchte und Getreide genau. Der gewitzte Händler verzog keine Mine.

„Für das Getreide gebe ich euch 10 Silber. Und für die Früchte kann ich 20 Silber geben.“
Raknos verschenkte die Arme vor der Brust. Er kannte das Spiel. „Ihr wisst, dass das viel zu wenig ist.“, meinte er bestimmt.
Jehmal zog die Achsel entschuldigend hoch. „Tut mir leid, aber im Moment gibt der Markt nicht mehr her.“
Raknos trat an seinen Karren. „Dann sollte ich es mal wo anders versuchen.“ Er bückte sich und hob ihn vom Boden an.
„Versucht es.“, meinte Jehmal gelassen.

Raknos schaute ihn an. Es war schwer in dem Gesicht des Händlers zu lesen, aber er war nicht immer Bauer gewesen. Und er hatte gelernt seinen Gegenüber einzuschätzen. Das wusste Jehmal aber nicht. Raknos war überzeugt, dass der Händler buffte. Nach zwei Schritten, die er gemacht hatte huschte ein befriedigendes Grinsen über sein Gesicht.

„Halt! Wartet!“, rief Jehmal ihm nach.

Als Raknos sich umdrehte war das Grinsen verschwunden.
„Lasst uns noch einmal reden“, meinte der Händler.
Raknos beobachtete, wie die Augen seines Gegenübers über die Waren auf den Karren huschten. Er wusste um die Qualität seiner geernteten Früchte und Samen. Und auch Jehmal wusste, dass sie sehr gut waren.

„Was stellt ihr euch den vor?“, fragte er nach einer Weile.

Raknos lies seinen Blick über den Karren streifen. Er hatte schon einen Preis, aber er musste noch ein wenig so tun, als würde er überlegen.

„20 Silber für das Getreide und 40 für die Früchte“, meinte er dann.

„Wollt ihr mich arm machen?“, ereiferte sich Jehmal. „Dann kann ich meinen Laden gleich schliessen! Meine Familie hätte dann nichts zu essen und würde mich aus dem Haus jagen!“
Rakons war sich jetzt sicher. Ein Elternteil musste einfach ein Zwerg gewesen sein. Nur Zwerge regten sich so künstlich auf.
Nachdem sich Jehmal wieder beruhigt und bemerkt hatte, dass sein Wutausbruch Raknos nicht den gewünschten Erfolg erbrachte, schaute er ihn an und sagte: „15 für das Getreide und 30 für die Früchte.“

„Legt noch ein Sack Saat drauf.“

Jehmal schüttelte resignierend den Kopf. „Ich kann den Laden zu machen.“, sagte er traurig und drehte sich um.

Raknos Grinsen war breit. Er hatte das erreicht, was er wollte und folgte dem Händler zurück in den Laden. Mit dem erhandelten Ergebnis wa er sehr zufrieden. Er hatte tatsächlich noch reichlich Geld übrig um für Ellen die benötigen Stoffe zu besorgen. So durchquerte er halb Sturmwind und betrat einen kleinen Laden im Magierviertel. Jemand hatte ihm erzählt, das dieser Laden viele verschiedene und beste Stoffe hatte. Die Auswahl der Stoffe war wirklich sehr groß. Nach einigem suchen und prüfen entschied er sich für einen feinen Wollballen. Raknos lud ihn auf seinen Karren und machte sich auf den Heimweg. Bella würde sich sicher sehr

freuen, wenn sie den Stoff sah. Nach einem kurzen Halt im Wirtshaus von Goldhain, wo er sich noch ein Bier genehmigte, ging er auf der Straße wieder nach Westfall. Als er die Brücke überquert hatte, die Elwynn von Westfall trennte, freute er sich schon auf zu Hause.
Nach eine halben Stunde sah er den Wachturm der Späherkuppe zu seiner Rechten. Die Allianz hatte ihn errichtet, um in Westfall für Sicherheit zu sorgen. In letzter Zeit hatte sich hier in der Gegend eine Diebesbande niedergelassen und Mondbruch, welches sich weiter im Osten nahe der Küste befand, eingenommen.

Raknos interessiert es nicht weiter, da die Defias noch nie in die Nähe seines Hofes gekommen waren. Sie hatten mit den Soldaten der Allianz genug zu tun. Auch einige Helden waren dem Kampf bei getreten. Eine
weiter halbe Stunde hatte er seinen Hof erreicht. Die gelben Stoppeln der letzten Ernte waren noch auch einem der Äcker zu sehen. Das war das nächste, was er in Angriff nehmen wollte. Nach dem Umpflügen konnte dann schließlich der Winter kommen. Zu seiner Linken tauchte das kleine Haus auf, in dem er mit seiner Familie wohnte. Er trat an dem kleinen morschen Zaun vorbei, an dem sein Grundstück begann.
Raknos Schritte verlangsamten sich schlagartig. Irgendwas stimmte nicht, aber er wusste nicht genau was. Schließlich stoppte er einige Schritte vor dem Haus. Sein Blick streifte langsam über den Hof. Und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Seine Kinder waren nirgends zu sehen noch zu hören. Auch aus dem Haus war nichts zu hören. Aus dem Schornstein kam kein Rauch. Das einzige, was er hörete waren ein paar Vögel, die in einem Baum saßen. Raknos ließ den Karren stehen und schritt vorsichtig auf das Haus zu. Erst wollte er rufen, aber Raknos unterdrückte den Impuls. Irgendwas in ihm regte sich und warnte ihn. Es war etwas, was er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Etwas das er schon fast vergessen hatte.

Als er die Tür erreichte roch er es. Ein ekelhaften süßlichen Geruch. Er wusste sofort was er bedeutete. Lange hatte er diesen Geruch des Todes nicht mehr in der Nase gehabt. Und er hätte sich gewünscht, ihn nie wieder riechen zu müssen. Sämtliche Gefühle stürmten auf ihn ein. Angst, vor dem was er vorzufinden würde. Trauer, vor dem was passiert war. Wut, das was passiert ist und er nicht da war, um es zu verhindern.

Langsam betrat Raknos das Haus und es dauerte nicht lange bis er die ersten Spuren des Kampfes sah. Einer der Stühle war zerstört, ebenso wie der Tisch. Dann sah er durch die Trümmer verdeckt Beine. Langsam ging Raknos auf sie zu. Zwei Schritte später erkannte er seine Frau Bella, die reglos auf dem Boden lag. Ihre Augen starrten leblos an die Decke. Unter ihr hatte sich eine große Blutlache ausgebreitet. Er sah auch die große Wunde in ihrem Oberkörper, aus dem das Blut ausgetreten war. Raknos konnte nichts mehr für sie tun, ausser ihr die Augen zu schließen.

Es war Jahre her als er das letzte Mal geweint hatte, aber nun liefen ihm die Tränen über die Wangen. Langsam stand er auf und drehte ebenso langsam den Kopf in die Richtung des Zimmers, wo die Kinder ihre Betten hatten.
Sein Magen zog sich zusammen und im Mund sammelte sich bitterer Speichel. Angst! Die nackte Angst hielt Raknos Herz umklammert. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis er mit stockenden Schritten auf den Durchgang zu ging. Die grausigsten Bilder stiegen in ihm auf. Als erstes sah er das Blut auf dem Boden. Dann sah er den leblosen Körper von Tereda, seinem jüngstem Sohn. Auch er lag leblos auf dem Boden und in seinen Augen sah Raknos kein Leben mehr. In seiner Hand hielt er ein Holzschwert. Trotz des traurigen Anblickes huschte ein Lächeln über Raknos Lippen. Tereda hatte versucht sich zu verteidigen, doch es hatte ihm nicht genützt. Auch seinem Sohn schloß er die Augen.

Dann fiel es ihm auf. In diesem Zimmer befand sich nur die Leiche von Tereda. Weder Delgar noch Lia waren hier. Wieder zurück im Hauptzimmer fand Raknos auch hier keine Spur von den Kindern. Er trat hinaus in die Sonne. Verzweifelt suchte er die Gegend ab, doch nirgends fand er keine Spur von seinen Kindern. Zu seiner Trauer mischte sich Hoffnung. Delgar und Lia waren anscheint nicht Tod. Ihnen war was anderes passiert. Raknos vermutete, dass sie von Sklavenhändlen entführt worden waren. Auf der Bank vor dem Haus setzte er sich und vergrub sein Gesicht in den Händen. Die Trauer über den Tod von Bella und Tereda gewann wieder die Überhand.


Wie lange er so dagesessen hatte wusste er nicht und es war ihm auch völlig egal. Erst als er die Schritt auf dem Sand hörte, die sich ihm näherten und vor ihm verstummten, schaute er langsam auf. Drei Gestalten hatten sich vor ihm aufgebaut und schauten auf ihn mit einem fiesen Lächeln auf den Lippen hinunter. Zwei von ihnen trugen ein einfaches Hemd und Hose, während der Dritte mit einer Robe bekleidet war. Alle drei hatten eine rote Schärpe um die Hüften gebunden. Die beiden Hemdträger hatten ein Schwert an der Seite, während der Dritte einen mannshohen Stab führte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Magier.

Die rote Schärpe sagte Raknos, dass sie den Defias, einer Banditengruppe angehörten. In seinem Kopf regte sich etwas. Es passierte ohne sein zu tun. Sein Hirn arbeitete an einem Plan.

„He Bauer.“, sagte einer der Schwertträger mit abfälligem Ton. „Wir sind gekommen und euch einen Vorschlag zu machen.“

Raknos sagte nichts. Er schaute ihn bloß an. Der Sprecher grinste breit und entblößte einige Zahnlücken.

„Hier in Westfall ist es gefährlich.“, fuhr er fort. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass sich der Magier zwei Schritte entfernte. „Wir können euch Schutz bieten.“

„Natürlich kostet das eine paar Silberstücke.“, ergänzte der Zweite Defias. Dann lachten die drei verhalten.

In Raknos stieg der Zorn, doch er beherrschte sich. Er sagte noch immer nichts.

„He. Kannst du reden?“, fragte der erste nach einer Weile.

„Vielleicht ist er nicht von hier und versteht dich nicht.“, meinte sein Partner.

Der Magier hielt sich im Hintergrund. Er wollte nicht auffallen und den Beiden den Rücken frei halten, aber das würde ihm auch nichts nützen. Raknos wartete jetzt nur noch auf den richtigen Augenblick.

Der erste Defias wurde ärgerlich. „Hey. Entweder du bezahlst jetzt oder du bekommst eine Abreibung.“

„Ja. Und dann schauen wir mal nach deinem Weib und deinen Kindern.“, fügte der Zweite hinzu. „Dann bezahlen die für dich.“

Der Magier hatte einen entscheidenden Fehler gemacht. Er hatte sich nicht richtig vorbereitet. Oder er hatte damit gerechnet, dass seine beiden Kumpanen die Situation allein meistern würden und er nur im äußersten Notfall hätte eingreifen müssen. Doch diesen Fehler nutze Raknos aus.

Er wusste jetzt zwar, dass die Defias höchstwahrscheinlich nichts mit dem Mord an seiner Frau und Sohn zu tun hatten. Auch nicht mit der Entführung seines Sohnes und Tochter, aber hier und jetzt von ihm in dieser Situation Schutzgeld zu fordern, war ihr größter Fehler.

Raknos explodierte förmlich, als er von der Bank auf die Defias zusprang. Der Linke der Beiden, war sein erstes Ziel. Raknos Fuß traf ihn zwischen den Beinen und der Bandit verdrehte die Augen als er zu Boden sank. In der gleichen Bewegung griff er mit der rechten Hand den Griff des Schwertes des Banditen. Zog es ihm aus der Scheide, als Raknos sich schon um seine eigenen Achse drehte. Sein linker ausgestreckter Arm traf den zweiten Defias am Hals, gerade als dieser sein Schwert gezogen hatte. Raknos hörte nur noch ein Keuchen und Röcheln. Doch jetzt interessiert ihn nur noch der Magier. Der hatte mittlerweile begriffen was passierte und als Raknos aus der Drehung ihn sah, schimmerte schon eine schwach rote leuchtende Kugel zwischen den Händen des Defias. Doch Raknos war immer noch in der Drehung. Holte mit dem rechten Arm Schwung und ließ das Schwert los. Es war eigentlich egal, wie das Schwert traf. Mit dem Schwung und auf der kurzen Distanz würde es den Magier auf alle Fälle umhauen. Die Feuerkugel schwebte groß und rot zwischen den Händen des Defias, als das Schwert ihn traf. Raknos glaubte die Knochen knacken zuhören, als der Knauf den Kopf traf. Die Feuerkugel schoß in den Himmel, als der Magier mit ausgebreiteten Armen nach hinten fiel. Die Feuerkugel explodierte über ihnen, ohne Schaden anzurichten.

Er wandte sich um. Der eine hatte seine Hände zwischen die Beine gepresst und wimmerte, während der Zweite röchelnd und nach Luft schnappend auf dem Boden lag. Der ganze Kampf hatte keine fünf Sekunden gedauert. Aber Raknos wusste, dass er Glück gehabt hatte. Wenn der Magier die Situation nicht falsch eingeschätzt hätte, wäre der Kampf wohl ganz anders verlaufen.

„Seht zu, dass ihr von meine Land kommt.“, ranzte er die Banditen an. „Und nehmt euren Freund mit.“

Er trat an die auf dem Boden Liegenden heran und gab ihnen eine Tritt in den Hintern. Mühsam rappelten sie sich hoch und hoben den Magier auf. Raknos war es egal, ob er tot war.

„Und laßt euch hier nie wieder blicken, oder ich benutze euch als Vogelscheuche.“, rief er ihnen hinterher.

Nach einigen Minuten drehte er sich um und ging ins Haus. Er hatte einen Entschluss gefasst. Seiner Frau und seinem Sohn konnte er nicht mehr helfen, außer das er sie begraben konnte. Aber Delgar und Lia waren noch am Leben und die brauchten seine Hilfe. Vorsichtig wickelte er die Leichen in ein Tuch und trug sie hinter das Haus. Schweigend schaufelte er zwei Löcher und beerdigte sie. Zurück im Haus schnürte er ein paar Sachen, holte sein Schwert aus der Truhe und verließ seinen Hof. Erst an der Straße drehte er sich noch einmal um und schaute traurig auf sein ehemaliges Heim zurück. Er wußte nicht, ob er jemals wieder hier her zurück kommen würde.

An der Straße fand er Hufabdrücke von mehreren Pferden, die von seinem Hof kamen und in Richtung des Dämmerwaldes führten. In diesem Augenblick schwor er, dass er jeden zur Rechenschaft ziehen würde, der seiner Familie dieses Leid angetan hatte.

Entschlossen klangen die Schritte, die die Brücke erzeugte, als Rakons den kleinen Fluss überquerte, der den Dämmerwald von Westfall trennte.

MaxSpace

Schüler

  • »MaxSpace« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 151

  • Private Nachricht senden

2

Dienstag, 2. April 2013, 21:30

Ich hoffe, es gefällt. Leider kann man das Layout nicht so machen, dass es sich besser lesen läßt.



Viel Spaß.

Elron

Chef-Technik

Beiträge: 1 576

Danksagungen: 990

  • Private Nachricht senden

3

Mittwoch, 3. April 2013, 01:12

Sehr gut geschrieben!

Auch wenn die Geschichte ein solches Ende nimmt, der Satz

Zitat

Der Mann war klein, aber kein Zwerg.

blieb irgendwie als Schmunzler die ganze Zeit über im Gedächtnis. :D

Joy22

Schüler

Beiträge: 78

Danksagungen: 1

  • Private Nachricht senden

4

Mittwoch, 3. April 2013, 11:49

Super Story und sehr schön geschrieben ;) wie geht es weiter? ^^ oder ist das der Anfang eines Chars der jetzt wutentbrannt lvlt um stärker zu werden? ^^

_____________________________________
Für die Welt bist du irgendjemand. Aber für irgendjemanden bist du die Welt... :heart_beat:

Das Geheimnis meiner Kraft :devil: http://www.youtube.com/watch?v=TtNfcQ9HqW0

Du bist lustig, dich töte ich zuletzt xD

Animal

Profi

Beiträge: 528

Danksagungen: 159

  • Private Nachricht senden

5

Mittwoch, 3. April 2013, 15:15

Wirklich tolle Geschichte. Ich hoffe auf eine Fortsetzung. :thumbsup:

MaxSpace

Schüler

  • »MaxSpace« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 151

  • Private Nachricht senden

6

Mittwoch, 3. April 2013, 20:58

Doch, die Geschichte soll weitergehen, aber die Zeit und die Lust muß auch stimmen. Und ich habe noch eine andere Geschichte, die auch auf Bearbeitung wartet. WoW will ich auch noch zocken. :bang_head2:
Vielleicht sollte ich mich einfach teilen. :thinking:

Joy22

Schüler

Beiträge: 78

Danksagungen: 1

  • Private Nachricht senden

7

Mittwoch, 3. April 2013, 21:37

Ok ;) mach dir mal keinen Stress ;) wir warten geduldig (mehr oder weniger^^)

_____________________________________
Für die Welt bist du irgendjemand. Aber für irgendjemanden bist du die Welt... :heart_beat:

Das Geheimnis meiner Kraft :devil: http://www.youtube.com/watch?v=TtNfcQ9HqW0

Du bist lustig, dich töte ich zuletzt xD

yalathar

(Technik)

Beiträge: 78

Danksagungen: 3

  • Private Nachricht senden

8

Donnerstag, 4. April 2013, 18:00

Du scheinst ein Talent dafür zu haben. Zum Lesen empfohlen, bitte mehr davon und danke für's Teilen :)
“First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.”
(Mahatma Gandhi, 1869-1948)

Opus

Schüler

Beiträge: 153

  • Private Nachricht senden

9

Freitag, 5. April 2013, 05:46

Auch von mir nochmal ein großes Lob, liest sich echt schön und mach Lust auf mehr :)

MaxSpace

Schüler

  • »MaxSpace« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 151

  • Private Nachricht senden

10

Samstag, 4. Mai 2013, 19:25

Teil 2: Begegnungen

So. Hier die Fortsetzung. Ich habe versucht es lesbar hinzubekommen.
Es ist ein wenig länger als das erst Kapitel, aber es ging nicht anders. Hat sich fast von alleine geschrieben. :D
Entschuldigt die Dreiteilung, aber die 20.000 Zeichenregel hat zugeschlagen.
:pardon:

Viel Spass beim lesen, und wer Rechtschreibfehler findet... naja, Ihr wisst schon
. ;)


Dieser Urwald war unheimlich. Lia hatte Angst. Der Urwald, der sie und ihren Bruder Delgar verschluckt hatte, machte ihr aber nicht soviel Angst, wiedie Männer, die sie verschleppt hatten.
Vor zwei Tagen waren Männer auf den Hof gekommen, gerade als ihr Vater nach Sturmwind aufgebrochen war. Am späten Nachmittag wollte er wieder zurück sein. Delgar und sein Bruder Tereda spielten an dem Windrad, welches neben dem Haus stand. Sie selbst saß mit ihrer Mutter auf einer Bank vor dem Haus und besserten Kleidung aus.
Ein Schrei hatte sie und ihre Mutter zusammen fahren lassen. Einer der Jungs musste etwas passiert sein. Sie wollten gerade nach schauen, als zwei Männer um die Hausecke kamen. Als sie Lia sahen grinsten die Männer breit.
Einer von ihnen zeigte wortlos auf sie und eher Lia auch nur reagieren konnte hatte der Zweite sie schon gepackt und zog sie mit eisernem Griff vom Haus weg. Sie schlug nach ihm. Legte ihre ganze Kraft in die Schläge auf seinen Arm, aber der Mann blieb unbeeindruckt und zog sie einfach mit sich. Dann hörte sie einen Schmerzensschrei hinter sich. Als sie zurück schaute, sah sie den zweiten Mann aus dem Haus kommen. Er steckte sein Schwert wieder ein. Lia konnte deutlich das Blut an der Klinge sehen und sie wusste, dass ihre Mutter nicht mehr lebte. Mit aller Kraft versuchte sie sich aus dem harte Griff des Mannes zu befreien. Doch es war sinnlos. Der Mann war einfach stärker als sie.

Es war kein Gedanke, den sie hatte, es war ein einfacher Impuls, der sie handeln ließ. Lia holte Schwung und trat mit voller Wucht dem Mann gegen das Bein. Ein Schmerzschrei gellte über ihr auf und der harte Griff löste sich sofort. Sie wirbelte herum und rannte zum Haus zurück. Das sie damit einen Fehler machte, wusste sie nicht. Sie hatte fast die Haustür erreicht, als sie ein rauschendes Geräusch hinter sich hörte, das schnell lauter wurde. Irgendwas schlang sich um ihrer Füße und hielt sie festhielt, ließ sie strauchelte und noch ehe sie es begriff fiel sie nach vorne. Lia spürte noch den Schmerz, als ihr Kopf an die Holzstufen anschlug, aber gleich darauf stürzte sie in ein schwarzes Loch.

Als sie wiedererwachte saß sie neben ihrem Bruder Delgar gefesselt an einem Steingelehnt. Zehn Meter von ihnen entfernt brannte ein Lagerfeuer, um das fünf Männer saßen. Lia brauchte eine Weile, bis sie sich wiederbewusst wurde was passiert war. Trauer und unbändige Wut stiegen inihr auf.


„Ihr verdammten Bastarde!“, rief sie.
Der Mann der mitdem Rücken zu ihr saß schaute nur leicht über die Schulter. Auchdie anderen warfen ihr nur einen gelangweilten Blick zu.
"Wenigstens lebt sie noch.“, meinte einer von ihnen.
„Ja, sonst wäre sie nur den halben Preis wehrt.“, stimmte ein anderer zu.
Die Männer wanden sich wieder dem Feuer zu. Sie schaute sie sich genauer an. Alles waren Menschen, bis auf zwei. Die waren um einiges kleiner als die übrigen. Einer von ihnen hatte einen langen schwarzen Zopf aufdem sonst kahlen Schädel, während der andere rote Haare besaß, die ihm über die Schultern fielen. Beide hatten Bärte. Der mit dem Zopfeinen gewaltigen Vollbart. Der andere einen buschigen Schnauzer, der von der Länge her fast bis auf seine Brust reichte. Was alle Männer gemeinsam hatten waren die brutalen Gesichtszüge.

„Ist bei dir alles in Ordnung?“, fragte Lia schließlich ihren Bruder.

Delgar nickte nur.Lia spürte, dass er verängstigt war. Ihr ging es nicht besser.
„Vater wird uns helfen.“, sagte sie hoffnungsvoll. Aber sie konnte sich nicht vorstellen wie ihr Vater sie finden sollte, schließlich wusste sie selber nicht, wo sie war. „Tereda wird ihm erzählen was passiert und dann kommt er uns retten.“, fügte sie hinzu.
Delgar schaute sie an und dann sah sie die Tränen in seinen Augen. Sie liefen an seinem Wangen hinunter und verschmierten den Schmutz. Ihr wurde klar, dass auch ihr kleiner Bruder nicht überlebt hatte. In Lias Hals bildete sich ein dicker Kloß, der sie kaum atmen lies. Sie spürte, wie heiße Tränen über ihr Gesicht liefen. Wie die Welt um sie herum verschwamm.

Ein vielstimmiges Lachen lies sie zum Lagerfeuer schauen. Die Männer sah sie nur verschwommen. Lia musste ein paarmal Blinzeln, bevor sie wieder klar sehen konnte. Und mit jedem Blinzeln verschwand die Trauer und machte dem Zorn Platz. Wieder lachten die Männer. Noch immer spürte sie den Zorn in sich. Lia wollte die Männer für das, was sie getan hatten bestrafen.

Ihr Vater kam ihr in den Sinn. Oft hatte er erzählt, dass man nicht unbedacht handeln sollte, denn meistens würde die Handlung unkontrolliert werden. Auch wenn es noch so schwer war, Lia musste ihre Gefühle beherrschen. Sie schloss die Augen und kämpfte gegen den Zorn. Es war schwer gewesen. Sehr schwer, aber sie schaffte es. Als sie die Augen wieder öffnete war sie halbwegs wieder klar im Kopf. Selbst wenn sie sich befreit hätte, gegen fünf Männer, von denen sie sicher war, dass sie gute Kämpfer waren, hätte sie nicht den Hauch einer Chance gehabt. Auf Delgar konnte sie nicht zählen. Er war viel zu verängstigt. Eine Flucht kam im Augenblick auch nicht in Frage. Sie saßen auf einem kleinen Hügel und es war dunkel. Wieder kam ihr der Vater in den Sinn.

'Verlasst euch nicht nur auf die Augen.', hatte er mal gesagt. 'Lauscht. Geräusche können euch eine Menge verraten.'


Erneut schloss Lia die Augen und lauschen in die Dunkelheit. Zuerst hatte sie nur die Stimmen der Männer gehört. Doch nach einer Weile hörte sie das Rauschen der Blätter. Es mussten viel Bäume sein, denn das Rauschen war sehr laut. Irgendwo brüllte ein Tier. Dann ein anderes. Oder war es das gleiche? Wieder brüllte es und steigerte sich dabei. Es waren wohl zwei, die sich um etwas stritten. Aus einer anderen Richtung drang ein anderes Brüllen an ihr Ohr. Ebenfalls ein Tier und sie wusste sogar, dass es sich um eine Raubkatze handelte. Ihr Vater hatte es ihren Brüdern und ihr erklärt und sogar vorgemacht. Er hatte erzählt, dass er diese Tier im Schlingdorntal gesehen hatte. Jetzt fiel ihr auch die feuchte und schwere Luft auf.


Lia öffnete die Augen und musste lächeln. Sie hatte jetzt zwar nur eine Ahnung wo sie sich befanden, aber es beruhigte sie ein wenig. Auch wenn sie die Gegend nicht kannte, weil sie noch nie hier gewesen war, war sie sich ziemlich sicher, dass sie auf dem Weg ins Schlingdorntal waren. Das würde auch erklären, warum die Männer hier Rast machten. Das Schlingdorntal war gefährlich und besonders Nachts. Ihr Vater hatte erzählt, dass sich hier sogar einigeTrollstämme herumtrieben. Auch die Horde sollte ein Lager im Talhaben. Und ganz im Süden sollte sich eine Art Stadt befinden. Lia versuchte sich an den Name zu erinnern, aber er fiel ihr nicht mehr ein.


Sie hatte eine Idee. Sie musste sich und Delgar befreien und fliehen. Durch den Dschungel. Sie wusste, dass es sehr gefährlich war, aber sie hatte noch mehr Angst davor, was die Männer mit ihnen vor hatten. Lia öffnete den Mund und wollte ihren Bruder einweihen, doch dann hielt sie inne. Was hätte sie ihm sagen sollten? Einen richtigen Plan hatte sie noch nicht. Außerdem bestand die Gefahr, dass Delgar sich verplapperte und sie dann nie eine Gelegenheit zur Fluch bekamen. Also hatte sie ihm nichts gesagt und hoffte darauf, dass sie es irgendwie schaffte, sich und ihren Bruder in Sicherheit zubringen. Aber sie musste auf die richtige Gelegenheit warten.



Nun saß sie und Delgar auf einem Pferd. Ihr Hände waren gefesselt und auch am vergangene Tag hatte sich keine Gelegenheit zur Flucht ergeben. Man hatte ihnen etwas zu essen und trinken gegeben. Aber niemand hatte mit ihnen geredet. Die letzte Nacht hatten sie kurz hinter einer Brücke verbracht, die eine kleine Schlucht überspannt hatte. Einmal hatten sie eine Raubkatze gesehen, die sich aber, nachdem sie die kleine Gruppen wütend angefaucht hatte, wieder ins Unterholz zurückgezogen hatte. Delgar war von den Tier fasziniert gewesen. Er hatte seine Schwester mit großen strahlenden Augen angeschaut und sogar ein wenig gelächelt. In der Nacht hatte Lia wieder in die Dunkelheit gelauscht. Urwaldgeräusche waren an ihr Ohr
gedrungen und sie meinte sogar ein weit entferntes Brüllen zuhören,welches mehr ein Kreischen war und doch von einem Tier zu stammen schien.


Heute hatte man Delgar zu ihr aufs Pferd gesetzt. Vorher waren sie getrennt gewesen. Vielleicht hatten sich die Männer dafür entschlossen, weil sie keine Anstalten machten zu fliehen. Für Lia war es ein Zeichen. Jetzt brauchte sie nur noch die passende Situation.


Die Minuten zogen sich zu Stunden während sie dem Pfad folgten. Eine Raubkatze tauchte plötzlich auf der rechten Seite auf. Sein Fell war schwarz und aus dem Maul ragten zwei lange Eckzähne. Die Pferde blieben stehen und wurden unruhig. Einer der Männer von hinten rief: „Ruhig bleiben. Der Panther verschwindet gleich wieder.“

In diesen Sekunden geschah etwas, was Lia sich nicht erklären konnte und wohl auch nur sie mitbekam. Das Tier schaute die Männer an, fletschte die Zähne. Ein tiefe Grollen drang aus seiner Kehle. Die Ohren waren an seinem Kopf angelegt. Als sein Blick Delgar traf, geschah es. Die Ohren richteten sich auf und der Panther schaute Delgar intensiv an. Dann drehte er sich um und lief leichtfüßig in den Dschungel zurück. Nach ein paar Metern blieb er stehen und schaute zurück, bevor er im Unterholz verschwand.

„Seht ihr.“, rief einer der Männer. „Alles halb so wild. Los weiter.“
Lia hörte, wie ein Schwert zurück in die Schwertscheide geschoben wurde. Die beiden Männer vor ihnen entspannten sich wieder. Ihr Bruder allerdings schaute immer noch in den Urwald. Dorthin, wo der Panther verschwunden war. Das Pferd setzte sich wieder in Bewegung. Sie war verwirrt. Hatte sie sich das alles nur eingebildet? War es nur ein Zufall gewesen, dass die Raubkatze ihren Bruder angeschaut hatte? Aber sie hatte deutlich die Veränderung gesehen, als die Raubkatze Delgar gesehen hatte. Es muss Zufall gewesen sein.
So etwas gab es nicht.

Die Gruppe ritt weiter. Urwaldvögel flogen über sie hinweg und verschwanden laut schreiend im Unterholz. Einmal musste die Gruppe noch anhalten, als ein Krokilist ihren Weg kreuzte. Er war aber einige Meter von ihnen entfernt und stellte keine Gefahr dar. Der Pfad knickte nach rechts ab und führte durch einen alten
verwitterten Torbogen. Lia hatte schon einmal ein paar Ruinen durch Lücken des dichten Unterholz gesehen. Aber diese hier konnte sie richtig erkennen. Auch die Symbole, die in den Stein gehauen waren. Sie fragte sich, was es für eine Sprache war. Nach ein paar Metern knickte der Weg erneut scharf ab. Dieses mal allerdings nach links. Geradeaus stand ein weiterer Torbogen. Eingerahmt wurde er durch eine hohe Mauer, die nach ein paar Meter im Urwald verschwand. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tors im Innern sah sie steinerne Stufen. Anscheint war das keine Ruine, sondern eine Art Arena.


Auf der linken Seite des Weges standen allerdings eindeutig Ruinen. Die Mauern waren verwittert, Moos und Flechten hatten ihre Nischen gefunden. Aus einigen Fugen sprossen sogar Pflanzen. Einige Mauern standen schief und es würde wohl nicht mehr lange dauern, bis sie umfielen. Sie hatten die Ruinen noch nicht ganz hinter sich gelassen, als Lia das kreischende Brüllen hörte, welches sie in der Nacht zuvor gehört hatte. Und es klang sehr nahe. Das nächste Brüllen klang noch näher und die Pflanzen auf der rechten Seite des Weges
bewegten sich. Die Männer vor ihnen spannten sich. Die Pferde wieherten.


„Schnell! Reitet los!“, rief jemand von hinten. Doch er hatte es noch nicht einmal ausgesprochen, als ein mächtiges Tier aus dem Unterholz auf den Weg brach. Es war ein Ungetüm. Größer als zwei Männer. Ein riesiger Schädel mit einem gigantischen Maul aus dem tausende von spitzen Zähnen ragten. Lia bekam Angst. Eine Angst, die sie noch nie im Leben gespürt hatte. Angst um ihr Leben.

Das Tier riss das Maul auf und brüllte ihnen entgegen. Es war ohrenbetäubend. Und bevor auch nur einer der Männer zu einer Bewegung fähig war, machte es einen gewaltigen Satz und begrub einen der Männer samt Pferd unter sich. Das zweite Pferd bäumte sich auf und warf den Reiter ab. Der Zwerg schaffte es auf den Füßen zu landen und in der gleichen Bewegung seine Axt aus dem Gürtel zuziehen. Das Monster von Tier drehte sich blitzschnell herum, aber der Zwerg war schneller und tauchte unter dem zuschnappenden Kiefer
hinweg. Laut klappten die Kiefer zusammen. Lia konnte die Beinmuskeln unter der Haut des Giganten sehen. Die riesige scharfen Krallen, die fast so lang waren wie ihr eigener Unterarm. Die drei anderen Männer stürmten an ihnen vorbei. Der dicke mannslange Schwanz wischte über den Boden und schleuderte einen der Männer wie eine Puppe ins Unterholz.

Von einer Sekunde auf die andere fasste Lia einen Entschluss.

„Los! Komm!“, sagte sie zu Delgar.

Es war nicht einfach von dem Pferd hinunterzukommen, da sie es nur mit Mühe bändigen konnte. Aber sie schafften es. Lia stieß ihren Bruder vorwärts ins Unterholz. Der Kampf hinter ihnen tobte immer noch, aber sie wusste nicht wie lange noch. Ein Schmerzschrei erklang hinter ihnen, gefolgt von dem Brüllen des Tieres. Lia und Delgar bahnten sich einen Weg tiefer in den Dschungel. Sie ahnte mehr als das sie es wusste, dass es hier sehr gefährlich war. Aber sie wollte es lieber mit den Tieren aufnehmen, als bei diesen Männern zubleiben.
Sie traten auf eine Lichtung. Die Geräusche des Kampfes waren kaum noch zu hören.

„Da lang.“, sagte sie und wies nach links.

Delgar verschwand im Unterholz. Lia folgte ihm. Äste peitschten ihnen in Gesicht und hinterließen rote Striemen auf den Haut. Eine Wurzel brachte Delgar zu Fall.

„Warte.“, sagte sie und lauschte. Doch nichts als die Geräusche des Urwaldes drangen an ihr Ohr. „Komm. Ich löse dir die Fesseln.“, sagte sie dann. Doch ihre Hände zitterten und der Strick war auch sehr fest.


„Versuche es mit dem Stein da.“, meinte Delgar und zeigte auf den Boden.


Sie hob ihn auf, doch eine scharfe Kante mit der sie hätte schneiden können, besaß er nicht. Noch bevor sie etwas machen konnte, hatte ihr Bruder den Stein genommen und schleuderte ihn mit Wucht auf den Boden. Delgar hatte gut gezielt und einen anderen Stein getroffen, der auf dem Boden lag. Der erste platzte auseinander. Er hob einen Teil des zerbrochenen Steins auf und schnitt Lias Strick durch. Dann befreite sie ihn.


„Hat Vater dir Dinge gezeigt, die er mir verschwiegen hat?“, fragte sie lächelnd.

Ihr Bruder grinste sie nur an. „Nein.“, meinte er dann schelmisch. „Du hast damals nur nicht aufgepasst, als er es unsgezeigt hatte.“

„Da hinten müssen sie irgendwo sein!“

Der Ruf war nicht sehr weit weg. Erschrocken schauten sie in die Richtung aus der er gekommen war.

„Los weiter!“, sagte sie hastig.

Sie krochen weiter. Nach eine gefühlten halben Ewigkeit erreichten sie wieder eine Lichtung. Doch irgendwas ließ Lia stocken. Sie hatte das Gefühl, dass die Lichtung nicht so einsam war, wie es den Anschein hatte. Sie hielt Delgar zurück. Er schaute sie fragend an.

„Ich weiß nicht.“ Sie flüsterte und suchte die Lichtung ab. „Ich glaube, wir sind nicht alleine.“

„Die Männer sind hinter uns.“
„Die meine ich nicht.“ Das Gefühl verstärkte sich. Links von ihr war ein leises Knacken zuhören. Ihre Augen suchten den Verursacher, doch sie fand nichts. „Da ist was anderes.“
„Ach so.“, sagte Delgar. „Der ist da.“ Er zeigte auf eine Stelle, an der sich nichts befand. Oder doch? Nein, ihre Augenspielten ihr einen Streich. Doch da war etwas. Etwas, das durchsichtig war.

'Völliger Quatsch', schallte Lia sich in Gedanken. 'Sowas gibt es nicht.'
Etwas streifte sie am Bein. Etwas warmes weiches, was sich wie Fell unter ihren Fingern anfühlte. Doch als sie nach schaute war da nichts. Das heißt doch. Der Boden bewegte sich so merkwürdig. Und von einer Sekunde zur anderen stand neben Delgar eine schwarze Raubkatze. War es die Raubkatze? Wie hatte einer der Männer sie bezeichnet? Panther? Zwei riesige Zähne schoben sich aus dem Oberkiefer. Lia stockte der Atem. Die gewaltigen Pranken mit den scharfen Krallen würden Delgar in blutige Streifen schneiden.

„Komm langsam mit.“, sagte sie leise und lies den Panther nicht aus den Augen.

Ihr Bruder schaute sie fragend an. „Warum?“
„Frag nicht. Komm einfach.“
Doch Delgar rührte sich nicht. Und dann passierte etwas, was Lia nie für möglich gehalten hätte. Der Panther schloss die Augen und rieb vorsichtig seinen Kopf an Delgards Bein. Ihr Bruder erwiderte die Berührung, in dem er den Kopf des Tieres streichelte. Lia schaute fassungslos auf das ungleiche Pärchen. Dann stand der Panther auf und ging langsam auf das Mädchen zu. Er hätte sie fast umgeworfen, als er seinen Kopf gegen ihr Bein rieb.

„Das...das...“, stammelte sie. „Das gibt es nicht! Wie kann das sein?“

Sie hörte ein tiefes Schnurren, welches von dem Tier ausging. Zögernd hob sie die Hand und berührte das Fell. Weiches Fell, das nicht sehr lang war.
„Wir müssen weiter.“, sagte sie nach einer Weile. „Ich glaube, dass die Männer uns immer noch suchen.“
Sie schaute sich suchend um und hatte keine Ahnung wo sie längst mussten. Dann schritt sie über die Lichtung, sah sich noch einmal um und schlug sich erneut in den Dschungel. Es dauerte nicht lange, bis
den Rand des Dschungels erreicht hatten.


Links und rechts von ihnen erhoben sich kleine Hügel. Eine kleine Brücke aus Holz überspannte einen kleinen Bach und in einiger Entfernung konnte Lia das Meer erkennen. Palmen standen am Strand und wiegten sich leicht im Wind. Die Sonne brachte den Sandstrand zum leuchten und glitzerte auf dem Wasser, wie tausende Edelsteine. Lia kannte nur den Strand von Westfall, aber der war kein Vergleich zu diesem hier. In Westfall waren es mehr Steine als Sand.


„Wow!“ Delgar stand jetzt neben ihr. Sein Blick war ebenfalls auf den Ozean gerichtet. Sie schaute ihren Bruder an. Seine Kleidung war dreckig. Sie sah mehr nach Lumpen, als nach Kleidung aus. Im Gesichtwar er auch nicht sauberer und hatte einige Blessuren davon getragen.

Social Bookmarks