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MaxSpace

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11

Samstag, 4. Mai 2013, 19:40

„Du siehst wie ein Dreckspatz aus.“, meinte sie belustigt.
Mit vorwurfsvollem Blick sah Delgar sie an. „Du siehst auch nicht besser aus.“, meinte er, nachdem er sie eindringlich gemustert hatte. Dann grinse er breit.
„Wer als erstes im Wasser ist.“, rief sie und stürmte los.
„Das ist unfair!“
Lia war schon über die kleine Brücke und warf einen Blick über die Schulter. In seinem Gesicht stand der Schreck geschrieben. Als sie wieder nach vorne schaute, konnte sie dem Hindernis nicht mehr ausweichen und prallte mit voller Geschwindigkeit hinein. Lianahm die Eindrücke, die auf sie einströmten als sie das Hindernis traf,in Sekundenbruchteilen wahr. Es war weich und zugleich hart. Weich, weil es nachgab. Hart, weil die Oberfläche des Hindernisses auf ihrer Haut schmerzte. Und sie spürte noch etwas, was Lia nicht bewusst wahr nahm. Es war warm. Sie hörte auch Laute,die das Hindernis von sich gab.

Als sie zurückfiel, sah sie wo hineingelaufen war. Zuerst sah es wie eine riesige Schlange aus, die sich aufgerichtet hatte. Doch das Ding vor ihrwar größer. Es hatte zwei Dinger am Kopf, die wie Ohren aussahen. Der Kopf war langgezogen und aus seinem Maul schoss eine lange dünne Zunge. Und das Ding hatte Arme. In einem hielt es eine Art Speer, an dessen Ende drei Zacken zu sehen waren. Der Körper besaß eine grün-blaue
Färbung. Auch einige Farbmuster schienen abgebildet zusein.


Hart landete Lia auf dem Boden, doch den Schmerz spürte sie nicht. Ihr Blickhaftete nur auf dem Arm mit dem Speer. Der Aufprall hatte dasWesen aus dem Gleichgewicht gebracht. Allerdings befand sich Lia in einer ungünstigen Position. Und diese riesige Echse oder Schlange oder was es war, hatte sich schneller wieder unter Kontrolle, als das Lia sich in Sicherheit bringen konnte. Ein böses Zischen ging von dem Wesen aus, als es seinen mit dem Speer bewaffneten Arm hob.


„Bleib weg!“, schrie Lia laut und hob abwehrend den Arm. Sie hatte Angst. Große Angst. Allerdings fühlte sie plötzlich eine Kraft in sich, die sienicht kannte. Diese Kraft nahm sie auch nicht bewusst war. Ohne ihr Zutun bildete sich in ihrer Handfläche, die sie dem Wesen entgegenstreckte, innerhalb eines Lidschlages eine schwarz-schimmernde Kugel. Diese Kugel war etwas größer als ein Apfel und schoss förmlich auf das Wesen zu, gerade als es den Speer nach unten stieß.


Die Wirkung verblüffte Lia. Als die Kugel das Wesen erreichte, schien sie zu explodieren und schleuderte die Echse zurück. Sie gab ein Geräusch von sich, dass man als Schmerzlaut bezeichnet hätte, wenn es ein Mensch
gewesen wäre. Noch bevor Lia sich aufrappelnkonnte, tauchte über ihr einschwarzer Schatten auf. Der Schatten landete elegant auf dem Boden und stürzte sich auf die Echse. Eintiefes Brüllen ging vom Schatten aus. Dann ein erneuter Schmerzlaut,der sofort wieder verstummte, als der Panther die Kehle des Gegners
traf.


Lia wandte sich ab. Auch Delgar schaute nicht hin. Erst nach ein paar Minuten, der Panther hatte sich wieder zu Delgar begeben und sichneben ihn gesetzt, konnte Lia aufstehen. Scheu schaute sie in die Richtung, inder der Kadaver der Riesenechse lag. Es sah gar nicht so schlimm aus. Unter dem Leichnam hatte sich eine große Blutlache gebildet, die in den Boden einsickerte. Erst jetzt erkannte sie das ganze Ausmaß der Echse. Den mächtigen Schwanz, der den Rest des Körpers getragen hatte. Sie erkannte auch Schwimmflossen. Anscheint
waren diese Wesen sowohl an Land als auch im Wasser zu Hause. Erst als sie näher ging sah sie dieschreckliche Wunde, die der Panther gerissen hatte. Tote, weit geöffneteAugen starrten sie an. Das Maulwar halb geöffnet und die Zunge lag leblos dazwischen auf dem Boden. Die Kiefer waren mit scharfen, spitzen Zähnen bestückt.

In Lias Hals bildete sich ein Klos. Sie fühlte sich schlecht und merkte, wie sich die Tränen in ihren Augen sammelten
.

„Ich glaube, wir können glücklich sein, das wir noch leben.“ Lia hatte nichtbemerkt, wie ihr Bruder neben sie getreten war. „Schließlich wollte dich dieses Ding töten.“

Am liebsten wollte sie ihn Ohrfeigen. Wie konnte er nur so etwas sagen? Vor ihren Augen war gerade ein Leben beendet worden.
„Das Ding hätte keine Probleme damit gehabt, wenn du jetzt dort liegen würdest.“, fügte er hinzu.
Es war, als hätte Delgar ihre Gedanken erraten. Trotzdem fühlte sie sich schlecht. Ihr Bruder hingegen ging den Weg entlang zum Wasser. Der Panther folgte ihm. Lia brauchte ein wenig mehr Zeit um sich zu sammeln.
Am Wasser wusch sie sich den Schmutz ab. Immer wieder schaute sie sich um, ob nicht noch mehr von diesen Monstern da waren. Doch so sehr sie auch suchte, nur Delgar, die Raubkatze und sie befanden sich an dem
Strand. Mit einem leisen Rauschen liefen kleine Wellen auf dem Sand aus.Die Sonne wärmte sie und trocknete die grob gesäuberte Kleidung. Es warein friedlicher Ort. Doch im Gegensatz zu Delgar, konnte Lia ihn nicht richtig genießen. Sie wagte es nicht zurückzuschauen. Ihr Bruder hatte sich in den Sand gesetzt und schaute verträumt aufs Meer.


„Vater hat von dem anderen Land, auf der anderen Seite des Meeres erzählt.“, sagte er plötzlich in die Stille hinein und riss sieaus ihren düsteren Gedanken.

Mit Mühe schüttelte Lia ihre Angst ab. Dabei war sie sich gar nichtso sicher, dass sie unberechtigt war.
Ihre Häscher waren mit Sicherheit immer noch hinter ihnen her. In der Zeit ihrer Gefangenschaft hatte sie aus den Gesprächen immer wiederherausgehört, dass die Männer sie verkaufen wollten. Und Lia war sich ziemlich sicher, dass die Männer sich das Geschäft nicht entgehen lassen wollten.


„Ja, ich weiß.“, sagte sie und ging ein Stück den Strand hinauf. Sie sah den Panther an dem kleinen Bach seinen Durst stillend sitzen. Vermied es aber den Leichnam des Monsters anzuschauen.

„Mich würde es interessieren, wie es wohl dort aussieht.“, meinte Delgar versonnen.

„Wenn du groß bist, dann kannst du ja nachschauen.“, antwortete sie. „Aber erst mal müssen wir wiedernach Hause.“
Er schaute sie mit traurigen Augen an. „Meinst du, Tereda und Mutter leben noch?“

Es war keine Frage, sondern mehr Hoffnung. Diese Hoffnung teilte sie allerdings nicht. Aber sagen wollte sie es ihm nicht. Sie wollte Delgar die Hoffnung nicht rauben, obwohl sie sich fast sicher war,dass auch er es sich nur einredete und sich an dieser Hoffnung festhielt.


„Ich hoffe.“, sagte sie schließlich. „Und Mutter wartet sicherlich mit unserem Lieblingsessen.“ Sie rang sich ein Lächeln ab. Und irgendwie warder Gedanke tröstlich, obwohl sie mehr ahnte als wusste, dass es nicht
stimmte.

Nach einer Weile hörten sie ein Rascheln und Knacken hinter sich ausdem Dschungel.


„Wir müssen weg hier.“, sagte Lia hastig.

„Und wohin?“, fragte Delgar. „Bitte nicht wieder in den Dschungel.“
„Dann da lang.“, meinte sie und schob ihren Bruder den Strand entlang.
Der Panther folgte ihnen mühelos. Lia wusste nicht, was sie von dem Tier halten sollte. Es war ein Raubtier! Ein Tier, das in der Wildnis lebte, nicht unter Menschen. Gut, einige hielten sich Wölfe, aber nur um ihreHöfe verteidigen zu können. Aber sie hatte noch nie vor einer Raubkatze gehört, die sich freiwillig Menschen angeschlossen hatte. Allerdings musste sie sich eingestehen, das sie bisher nur Westfall, den Wald von
Elwynn und Sturmwind gesehen hatte. Dieser Dschungel, diese Schlingdrontal kannte sie bisher nur aus Erzählungen.


Lia verdrängte den Gedanken. Sie liefen den Strand entlang. Ein paar Mal schaute sie über die Schulter, aber von den Verfolgern sah sie nichts. Wieder kamen die an einen kleinen Fluss, der ins Meer floss. Der Panther
sprang mit einem eleganten Satz über das Wasser und übernahm so die Spitze der kleinen Gruppe. Mit geschmeidigen Bewegungen, die Lia imponierten, lief er vor ihnen her. Bis er eine Buschgruppe erreichte.
Die Katze stoppte und legte sich auf den Boden. Die Ohren des Tieres waren nach vorne gerichtet. Lia hatte soetwas schon einmal bei einer Hauskatze beobachtet, die sich an ihre Beute angeschlichen hatte. Das Tier fauchte leise.


Delgar kniete sich neben das Tier und schob sich vorsichtig durch die Sträucher. Auch Lia zwang sich durch das Geäst. Auf der anderen Seite konnte sie Menschen erkennen. Alle trugen die gleiche Kleidung. Rote
Kopftücher und Hemden. Eine andere Gestalt hatte eine Robe inder gleichen Farbe an. Lia zählte fünf, oder waren es doch sechs? Eine kleine Gestalt fiel ihr auf. Sie war nur halb so groß wie die anderen und hatte eine grünliche Hautfarbe. Auch die Ohren fielen auf, denn sie waren lang und liefen nach obenhin spitz zu. Außerdem redete er immer mit den anderen und zeigte in verschiedene Richtungen.


„Wir sollten die lieber meiden.“, flüsterte Delgar.

Lia nickte zustimmen. „Das denke ich auch. Ich habe bei denen kein gutes Gefühl.“
Vorsichtig zogen sie sich zurück.
„Und nun?“, fragte er gedämpft. „Wie kommen wir an den vorbei?“
Sie hatte keine Antwort. Erneut übernahm der Panther die Spitze. Verdeckt hinter Sträuchern stiegen sie einen kleinen Hügel hinauf. Sie brauchten eine ganze Weile, bis sie die Gestalten hinter sich gelassen hatten. Von der Spitze des Hügels aus konnten sie auf einen Eingang schauen, der ebenso skurril wie Angst einflößend war. Neben einem gigantischen Knochenschädel, dessen mit spitze Zähnen weit aufgerissenen Kiefer,
drohend den Eingang einrahmte, standen zwei Wachen. Sie sahen genauso aus, wie der kleine Kerl, bei in rotgekleideten Gruppe. Nur sahen diese hier freundlicher aus. Obwohl sie schwer bewaffnet waren.


Lia sah den Hügel hinunter. Dort unten war sicherlich die Stadt, von der ihr Vater erzählt hatte. Der Schrei eines Greifvogels erklang über ihnen und ließ Lia nach oben schauen. Die Silhouette eines Greif war am
Himmel zuerkennen. Sie wusste, dass man mit diesen Tiere verschiedene Gebiete sehr schnell erreichen konnte. Ihr Vater hatte ihr mal einen solchen Greifenplatz in Westfall gezeigt. Dieser hier flog über den
Berg, den der gigantische Knochenschädel und die zwei bewaffneten Gestalten bewachten.


„Wir müssen wohl da durch.“, sagte sie und zeigte auf den Schädel, der den Eingang symbolisierte. „Ich glaube, dahinter befindet sich eine Stadt, von der wir nach Hause können.“

Delgar schaute nachdenklich den Hügel hinunter.
„Aber was machen wir mit ihm?“, fragte sie dann nachdenklich.
„Mit wem?“
„Mit ihm.“ Sie nickte mit dem Kopf in Richtung des Panthers.
„Sie!“
„Bitte?“
Delgar grinste. „Er ist eine Sie.“, meinte er fröhlich. „Es ist ein Mädchen.“
„Woher
willst du denn das wissen?“ Lia war erstaunt. Ihr Bruder hatte es mit
einer solchen Sicherheit gesagt, dass er an seiner Feststellung keinen
Zweifel ließ.

„Weil ich es weiß.“, sagte er dann. „Sie kommt schon klar.“
„Einen Namen hast du aber noch nicht, oder?“
Wieder grinste er, aber dieses Mal noch breiter. „Doch.“, sagte er. „Kyra.“
Lia schüttelte den Kopf. „Du spinnst.“
„Gefällt er dir nicht?“ Sie hörte den Spott in seiner Stimme nur zu deutlich.
„Los komm schon.“, sagte sie und stieg den Hügel hinunter.

Die beiden Wachen beäugten sie misstrauisch, sagten aber nichts. Ohne Probleme verschluckte der Knochenschädel die Geschwister. Sie fanden sich in einem Gang wieder, der sie durch den Berg führte. Am
anderen Ende des Stollens standen sie auf einer Holzplattform, die über die Dächern ragte. Von hier konnten sie die ganze Stadt sehen. Für Lia war diese Anblick genauso überwältigend wie die hohen weißen Mauer
Sturmwinds. Die ganze Stadt zog sich an der Innenseiteder Bucht entlang.Alle Häuser bestanden aus Holz. Es gab mehrere Ebenen, die über Rampen miteinander verbunden waren. Schräg links von ihnen gab es sogar ein Haus, das alle anderen überragte. Der Schreieines Greifen hallte durch die Bucht, und ein wenig später hob von dorteines diese Tiere mit kräftigen Flügelschlägen ab. Mit rauschenden Schlägen kam es über das Wasser, gewann an Höhe und verschwand schließlich hinter den Bergspitzen.

MaxSpace

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12

Samstag, 4. Mai 2013, 19:41

„Wir müssen dahinten hin.“, sagte Lia und wies auf das Gebäude. „Dort scheint der Greifenplatz zu sein. So kommen wir nach Hause.“ Sie fühltedie Hoffnung in sich, dass sie endlich wieder nach Hause kam. Die Freude gab ihr neue Kraft.
Gemeinsamgingen sie die Rampe hinunter, die den Stollen mit hölzernen Steg verband. Der Steg umspannte die ganze Bucht. Jetzt fiel ihnen auch die riesige Statue auf, die auf einer kleinen Insel stand und in die Stadt
blickte. Sie sah genauso aus wie die überwiegende Bevölkerung, die die Stadt belebten. Anscheint war dieses Volk für den Bau der Stadt verantwortlich und wohnte auch hier.

Auf dem Steg herrschte ein reges Treiben. Eilig wurden Kisten, Fässer und andereSachen herbeigeschafft oder in die Stadt gebracht. Das Schiff, welches am Ende vertäut war, wurde beladen und machte sich zum auslaufen fertig.Einige Segel hingen schon und brauchten nur noch in den Wind gedreht werden.

„Vorsicht da!“ Der quäkige Ausruf kam von einer kleinen grünen Gestalt, die eiligein Fass in Richtung der
Stadt rollte. Hastig sprangen Lia und Delgar zu Seite, damit sie nicht von dem Fass überrollt wurden. Jemand rief Befehle. Sie wanden sich in Richtung der Stadt und gingen den Steg entlang. Das wuselige Treiben nahm sie auf. Über ihnen kamen die nächsten Ankömmlinge die Rampe hinunter. Lia war fasziniert von der Stadt und sah immer neue Dinge. Eine Art Kran hatte einen Hai aus dem Wasser gezogen. Aus einem nahen Gebäude
drangen geschäftige Stimmen.


Plötzlich bekam sie eine Stoß, der sie in abgestellte Kisten fallen ließ. Gerade als sie protestieren wollte sah sie Delgar, der neben ihr lag und den Finger auf den Mund presste. Wütend schaute sie ihren Bruder an. Was
bildete er sich ein! Dann zeigte er über die Kisten hinweg. Vorsichtig richtete sie sich auf. Und bekam den
Schreckihres Lebens. Ihre vier Verfolger standen keine zehn Meter von ihnen entfernt. Ruckartig duckte sie sich wieder und presste ihren Rücken gegen die Kisten. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Ein Blick zu ihrem
Bruder verriet ihr, dass es ihm nicht anders erging.


„Hoffentlich haben die uns nicht gesehen.“, flüsterte er.
Lia schüttelte nur den Kopf.

„Wirverteilen uns.“ Die Männer standen nun direkt auf der anderen Seite ihres Versteckes. „Ich denke, dass die beiden kleinen Bastarde nicht weit weg sein können.“ Zustimmendes Gemurmel war zu hören. „Wieso bis
du dir da so sicher?“, fragte der Stimme nach einer der Zwerge. „Ganz einfach. Nur in Beutebucht gibt es einen Greifenplatz. Der Urwald ist viel zu gefährlich. Überall sind diese Viecher, Piraten und diese Biester von Naga. Nein, ich denke die sind hier. Schließlich wolle die wieder zu Mama.“ Wieder zustimmendes Gemurmel. „Aber legt euch nicht mit den Goblins an. Ich habe einmal erlebt, wie sie hier für Ordnung sorgen. Wenn also einer in Schwierigkeiten kommt, ist das sein Problem. Also los.“


Lias Gefühle spielten verrückt. Sie hatte Angst, dass die Männer sie doch noch finden würden. Dann fühlte sie Erleichterung, denn diese Goblins würden sie sicherlich beschützen, solange sie sich in Beutebucht aufhielten. Und dann war da noch Freude, dass die Männer keine zehn Meter von ihnen entfernt waren, sie aber nicht sahen.
Es wurde ruhig und Lia hörtenur noch die Geräuschkulisse des kleinen Hafens, die sie vorher wahrgenommen hatte. Unendlich vorsichtig schob sie sich hinauf und spähte über den Rand der Kisten. Die Männer waren verschwunden. Dann sah sie die Gruppe, die sich in Richtung der Stadt bewegte. Einer von ihnen verschwand in einem Durchgang. Die anderen gingen weiter.

„Was machen wir jetzt?“, fragte sie. Der Weg zum Greifenplatz war versperrt. Die Männer würden sie unweigerlich sehen. Als sie keine Antwort bekam schaute sie zu ihrem Bruder. Er lag auf dem Bauch. Sie
konnte nur seinen unteren Teil mit den Beinen sehen. Der Rest von ihm war von Kisten verdeckt.


„Delgar! Was machst du da?“, fragte sie energisch.

Mühsam kroch er hinter den Kisten hervor. „Ich glaube, ich habe da eine Idee.“ Delgarrichtete sich auf, schaute sich vorsichtig um und ging dann in Richtungdes Schiffes.
„Delgar! Warte!“ Sie fluchte leise, als er an ihr vorbei ging und keine Anstalten machte auf sie zu warten. Lia stand auf und stieß gegen etwas weiches. Ein missmutiges Grummeln erklang. Sie war mit dem Bein gegen den Panther gestoßen, der sich getarnt und nahezu unsichtbar war.
„Tschuldigung Kyra.“, sagte sie hastig und folgte ihrem Bruder.
Delgar warschon fast an dem Schiff, als sie ihn einholte. Einige der Matrosen machten sich an den Segel zu schaffen. Mit einem lauten Rauschen fiel eines von ihnen in die Tiefe und entfaltete sich. Das Schiff machte
sichbereit zum auslaufen. Lia dämmerte war ihr Bruder vor hatte.


„Was hast du vor?“, fragte sie dennoch.

Bevorer etwas sagen konnte, trat ihnen einer der Goblin in den Weg. „Halt!“, rief der und hob die Hand. „Wo wollt ihr denn hin?“
Delgar übernahm das reden. „Unser Vater ist schon an Bord. Wir haben uns nur ein wenig verspätet.“
Der Goblin grinste. Zumindest sollte es wohl ein Grinsen sein. „Da kann ja jeder kommen.“
„Ist denn nicht ein Mann mit drei Kisten und einem Sack an Bord gegangen?“, fragte Delgar.
Lia konnte sehen, wie der Golbin überlegte. Noch bevor er etwas sagen konnte hob Delgar den Arm und winkte. „Hallo!“, rief er.
DerGoblin drehte sich um und schaute auf das Schiff. Ein Mann stand an Deck und winkte zu ihnen herüber. „Na los!“, sagte er dann. „Das Schiff wartet nicht auf euch.“
Den Schemen, der über die Planke aufs Schiff geschlichen war hatte niemand bemerkt. Auf dem Schiff stiegen sie eine Treppe hinauf. Sie setzten sich hinter eine Holzverkleidung und schauten aufs Meer.

„Das war aber riskant.“, meinte Lia nach einer Weile.

„Nein. Ich hatte das Schiff beobachtet und aufgepasst, wer das Schiff betreten hatte.“
Scheu schaute Lia über die Verkleidung, aber weder auf dem Schiff noch auf dem Steg konnte sie ihre Verfolger sehen. Als sie sich wieder zurück sinken ließ, war sie erleichtert. Erst jetzt bemerkte sie, wie Delgars Hand eine Bewegung ausführte. Und dann sah sie den Schemen, der neben ihm lag.

„Sie ist schon hier?“ Lia war erstaunt. „Ich hatte sie gar nicht bemerkt.“

Ein tiefes Schnurren ging von dem Panther aus. Ihr Bruder grinste sie nur an. Jemand rief einen Befehl, dann hörten sie ein Klatschen. Taue ächzten, als sie unter Spannung gesetzt wurden. Schweres Tuch raschelte
und knallte und dann ging ein leichte Ruck durch das Schiff. Lia stand auf, schaute sich erneut um, konnte aber noch immer keinen der Männer entdecken. Erleichtert, dass sie es geschafft hatten ihren Verfolgern zu entkommen, ging sie an die Reling. Das Schiff hatte schon ordentlich Fahrt aufgenommen und wurde immer
schneller.
Esließ die kleine Insel mit der riesigen Statue auf der linken Seite und steuerte das offene Meer an. Die Sonne färbte sich rot und würde bald untergehen und im Meer versinken.


Lia drehte sich zu ihrem Bruder um und ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. Delgar war eingeschlafen und kuschelte sich an den KörperdesPanthers, der sich schützend an ihn schmiegte. Ihr Blick fiel auf die Stadt, die im golden schwindenden Sonnenlicht leuchtete. Zum erstem Mal in ihrem Leben verließ sie das Land, das sie noch nicht einmal richtig kannte. Dann drehte sich sich dem Bug wieder zu undschaute auf das offene Meer, das ruhig vor ihr lag. Was würde die Zukunft bringen? Lia verspürte Erleichterung, dass sie die Männer
austricksenkonnten. Aber sie fühlte auch Angst, denn sie wusste nicht was sie in dem anderen Land, auf das sie nun zusteuerten erwarten würde.


Sieging zu ihrem Bruder. Kyra hob den Kopf und schaute sie an. Lia wusste nicht ob sie es sich einbildete oder es an der Müdigkeit lag, aber in dem Blick des Panthers meinte sie etwas wie Zuversicht zuerkennen. In
diesemAugenblick wusste sie, das Kyra ihren Bruder und sie immer beschützen würde. Sie setzte sich neben ihren Bruder. Ein Gedanke kam ihr plötzlich, als sie sich anlehnte. Wie sollte ihr Vater sie eigentlich finden? Er wusste schließlich nicht, dass sie sich auf einen Schiff befanden und auf dem Weg in ein anderes Land
waren.


Eine Antwort auf diese Frage fand sie nicht mehr, da sich wie von selbst ihre Augen schlossen und sie einschlief.



Fortsetzung folgt ...

Animal

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13

Samstag, 4. Mai 2013, 20:46

Vielen Dank für die grandiose Geschichte! :thumbsup:

Joy22

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14

Sonntag, 5. Mai 2013, 05:20

Echt Super *.* :heart_beat:

Need more :hail:

Danke für die Tolle Story <3

Lg *Joy*

_____________________________________
Für die Welt bist du irgendjemand. Aber für irgendjemanden bist du die Welt... :heart_beat:

Das Geheimnis meiner Kraft :devil: http://www.youtube.com/watch?v=TtNfcQ9HqW0

Du bist lustig, dich töte ich zuletzt xD

yalathar

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15

Sonntag, 5. Mai 2013, 10:30

Schließe mich an- ich will unbedingt wissen, wie's weiter geht :D

Wo ist der Bedanken-Knopf? ^^
“First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.”
(Mahatma Gandhi, 1869-1948)

darrow

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16

Dienstag, 7. Mai 2013, 12:30

Suuuuuuper geschichte :)

MaxSpace

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17

Dienstag, 7. Mai 2013, 21:27

Freut mich, dass sie Euch gefällt. Fortsetzung habe ich schon. Zumindest im Kopf, aber ich muss sie noch tippen und ein wenig ausarbeiten. Aber sie wird kommen.

darrow

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18

Mittwoch, 8. Mai 2013, 16:38

Hoffentlich auch :P

MaxSpace

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19

Samstag, 15. Juni 2013, 18:48

Freunde und Feinde

Raknos war verzweifelt. Zwei Tage hatte er verschenkt. Er war den Spuren der Reiter, von denen er annahm, das sie sein Kinder verschleppt und sein jüngsten Sohn und seine Frau getötet hatten, in den Dämmerwald gefolgt. Es war schwer gewesen brauchbare Spuren zu finden. Und schließlich hatte er sie auch verloren. An der Kreuzung, von dem der Weg in das Schlingdorntal abzweigte stand er vor einer schweren Entscheidung. Entweder er folgte dem Weg nach Dunkelhain oder er ging in Schlingdorntal. Die Wachen des Dämmerwaldes, die dort einen Posten hatten, konnten ihm auch nicht weiterhelfen. Die waren damit beschäftigt gewesen einen der vorwitzigen Oger, die eine nahe Mine besetzt hielten, in die Schranken zu weisen. Sie hatten zwar die Reiter gesehen, aber nicht mitbekommen welchen Weg sie genommen hatten.

Nachdenklich hatte er an der Abzweigung gestanden. Für Dunkelhain stand, dass sich die Bastarde durch das Rotkammgebirge in die brennende Steppe begeben könnten. Dort befand sich der Schwarzfelsclan. Die Orcs bewohnten den Schwarzfels und waren immer an Sklaven interessiert. Einmal hatte Raknos mit den Schwarzfelsorcs zu tun. Es waren unangenehme Zeitgenossen und sie waren sehr schlagkräftig. Ebenso waren die Magier und Hexenmeister gut ausgebildet.


Der andere Weg führte ins Schlingdorntal. Im Süden befand sich Beutebucht. Die Stadt wurde von freien Gobblins geführt. Ihre Führung war streng. Die Wachen gingen gnadenlos gegen Unruhestiftern vor. In Beutebucht traf Horde und Allianz aufeinander. Es gibt nicht viele Orte in Azeroth wo beide Fraktionen mehr oder weniger friedlich aufeinandertrafen. Beutebucht war einer dieser Orte.
Von dort aus gab es eine Schiffsverbindung nach Kalimdor. Raknos wusste das. Aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wohin die Bastarde mit seinen Kindern von dort aus hin wollten. Das Schiff würde in Ratchet anlegen. Dann wären sie im Brachland. Feindesland. Hier regierte die Horde. Die Gruppe würde ein großes Risiko eingehen. Und mit zwei Kindern dabei wäre das Risiko noch viel größer. Aber das wichtigstes Argument gegen das Schlingdorntal war, dass vom Brachland aus kaum eine Möglichkeit gab weiterzuziehen.

Im Südern lag Tausend Nadeln, ebenfalls von der Horde kontrolliert.
Im Westen lag Mulgor, das Heimatland der Tauren. Es war von hohen Bergen umgeben und es gab nur einen Zugang zu dem Tal. Und nach Donnerfels die Hauptstadt, die sich in Mulgor befand, wollten sie mit Sicherheit nicht hin.

Im Norden lag das Eschental. Das Gebiet war in der Hand der Nachtelfen. Das wäre eine Möglichkeit, aber dazu müssten sie allerdings an der Kriegshymdenschlucht vorbei. Das Risiko dort auf Kämpfer zu treffen
ist sehr hoch. Wenn dann mussten sie sich dort vorbei schleichen, aber mit zwei Geiseln dabei...? Raknos hielt die Männer nicht für so dumm.

Dann war da noch der Nord-Osten. Dort lag die Insel Durotar. Sie beheimatete Orgrimmar, die Hauptstadt der Orcs. Die konnte Raknos mit Sicherheit ausschließen.

Also hatte er sich für Dunkelhain entschieden. Und dort hatte sich herausgestellt, dass niemand dort die Gruppe mit Kindern gesehen hatte. Raknos hatte jeden gefragt. Sogar Abenteuer, die er auf der Straße, die ins Rotkammgebirge führte, getroffen hatte, hatten nichts gesehen. Wütend auf sich selbst war er dann zum Greifenmeister gegangen und hatte einen Flug nach Beutebucht gekauft. Allerdings musste er noch die Nacht abwarten.


Nun saß er auf dem Rücken einen Greifen und schoss dicht über die Baumwipfel hinweg. Er versuchte einen Blick auf das Land unter sich zu erhaschen, aber das gelang ihm nur selten. Die Baumwipfel waren einfach zu dicht. Warme und feuchte Luft stieg vom Dschungel auf. Die mächtigen Schwingen des Tieres ließen es ruhig dahin gleiten. Die Federn rauschten leise im Wind. Der Greif brauchte nur ganz leichte Korrekturen mit den Flügel machten. Dann flog er einen Bogen über das Meer. Hier konnte Raknos das Riff, welches vor der Küste lag sehr gut sehen. Es dauerte noch einige Minuten, bis der Greif plötzlich wieder an Höhe gewann. Sein Fluggast erblickte die Gipfel hinter den Baumkronen, die Beutebucht umschlossen. Zu seiner Rechten befand sich die kleine Insel, auf der eine Statur stand. Auch die Masten eines Schiffes konnte er erkennen. Einige Segel waren heruntergelassen. Entweder war es gerade angekommen oder es machte sich zu auslaufen bereit.
Der Greif stieß einen Schrei aus, als er über die Bergspitzen stieg. Das war das Zeichen für den Greifenmeister, dass ein Greif im Anflug war. Die Stadt schmiegte sich an den Berg, der sich zu einer natürlichen Bucht geformt hatte. Alle Bauten waren aus Holz gefertigt. Bis auf das Ende der Bucht. Dort war eine Art Wehranlage errichte worden, die einige Kanonen beherbergten. Piraten hatten keine Chance in den Hafen oder gar nach Beutebucht selbst hineinzugelangen. Jeder Versucht war von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Mit atemberaubenden Tempo flog der Greif auf eines der höchsten Häuser an. Erst kurz vor dem Zusammenprall bremste er elegant ab. Raknos hatte Mühe sich auf dem Rücken des Tieres zu halten. Trotzdem setzte er sehr sanft auf der Plattform auf. Er stieg vom Rücken des Tieres, nickte dem Greifenmeister zu und wäre fast mit einem Nachtelfen in der Tür zusammengeprallt.

Die Haut des Elfen hatte einen Schimmer von Lila und sein Haare besaßen eine fast blaue Farbe. Deutlich konnte Raknos die langen und spitzen Ohren sehen. Der Elf überragte ihn auch um einen Kopf.

„Entschuldigt.“, keuchte der Elf im vorbei hasten. „Ich habe euch nicht gesehen.“
Raknos lächelte. „Ist auch sehr eng hier.“ Ob der Elf seine Worte hörte wußte er nicht, da dieser sich schon dem Greifenmeister zu wandte.
„Greifenmeister!“, rief der Elf. „Ich brauche dringend ein Flug nach Sturmwind!“
Der Zwerg deutete auf das Tier, mit dem Raknos vor ein paar Sekunden gelandet war.
„Elune möge euch stehst beistehen.“ Seine Erleichterung war deutlich zu hören. Er warf dem Zwerg Silberstücke zu und schwang sich mit einer eleganten Bewegung auf den Rücken des Tieres. Mit einem lauten Ruf, der sich an den Wänden der Berge brach, hob das Tier mit kräftigen Flügelschlägen ab.

Raknos wandte sich um und stieg in die Taverne hinunter. Hier war viel los. Einige Händler stießen auf ihre Geschäfte an. Andere waren Abenteurer, die auf der Suche nach Aufträgen waren um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In dieser Gegend waren die Blutsegelpiraten sehr präsent und so gab es immer was zu tun. Bisher hatte sich Beutebucht erfolgreich gegen die Piraten behaupten können.

Als er aus der Taverne trat, fand er sich auf dem Holzsteg wieder, der sich an den Bergen entlangzog und die Häuser miteinander verband. Am Ende des Stegs auf der anderen Seite der Bucht, lag das Schiff, welches nach Kalimdor segelte. Die Segel wurden heruntergelassen. Das Schiff machte sich zum auslaufen bereit.
Langsam ging er den Steg entlang und hielt Ausschau nach den Banditen. Er hegte die Hoffnung, dass sie mit seinen Kindern auffallen würden. Schließlich war eine Gruppe mit Männern und zwei Kindern sehr auffällig.

Raknos ging an einer Ruderboothälfte vorbei, die auf dem Steg lag und umgedreht einem Gobblin Schutz vor dem Wetter bot. Ein Stöhnen drang daraus hervor. Doch bevor er sich hinunterbeugen konnte, kam eine Dranai den Steg entlang und ließ sich zu dem Gobblin hinunter.

„Ich habe es.“, sagte sie und griff in ihre Tasche.

Die Dranai waren ein seltsames Volk. Nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihre Ankunft auf Azeroth. Er hatte gehört, das sie nicht von dieser Welt stammen sollten, sondern mit den Orcs einen anderen Planeten bewohnt hatten. Doch dann hatte die brennende Legion ihn zerstört. Die Dranai und Orcs sind geflüchtet und hier gestrandet. Doch während die Orcs die Horde erschufen und anführten, hatten sich die Dranai mit den Nachtelfen angefreundet. Die Exodar, die Hauptstadt der Dranai war nicht weit weg von Teldrassil, wo sich Darnassus, die Hauptstadt der Nachtelfen befand.

Das Aussehen der Dranai war für ihn immer noch ungewohnt. Die Hautfarbe war meist bläulich und statt Haare besaßen sie etwas wie Tentaklen. Auch ihre Beine waren anders. Die hatten die Form vom Hinterlaufs eines Wildtieres. Ihr Gesicht hingegen war dem eines Menschen ähnlich. Trotz dieser Andersartigkeit waren sie Raknos sehr sympathisch und waren gute Kämpfer.

Raknos schaute wieder den Steg entlang. Ihm fiel eine kleine Gruppe auf, die sich auf der anderen Seite der Bucht befand. Drei Männer und zwei Kinder. Sein Herz machte einen Sprung. Doch dann erkannte er, dass die Kinder Bärte hatten. Es waren Zwerge. Er fühlte die Enttäuschung. Sein Blick glitt weiter den Steg entlang. Auf die zweite Ebene. Er überlegte kurz und beschloss von dort aus die Bucht zu beobachten. Eine Rampe führte auf die nächste Ebene. Auch hier verband ein Holzsteg die Häuser miteinander. In einigen Häuser waren Handwerker beschäftigt, in anderen hatten Händler ihr Geschäft.
Raknos lehnte sich an eine Holzwand und schaute nach unten. Es waren viele unterwegs. Von hier oben konnte er das Treiben gut überblicken. Wieder fiel ihm die Gruppe von Männern und Zwergen auf. Die jetzt kleiner war, da einer von ihnen fehlte. Als sie die Rampe erreichten, lösten sich zwei weitere aus der Gruppe und stiegen die Rampe hinauf. Raknos
machte ein gelangweiltes Gesicht. Die beiden Männer erreichten die Ebene.


„Ich hoffe, wir finden die Balgen.“, meinte der Zwerg mit tiefer Stimme.

„Soweit können die nicht weg sein.“, antwortete der andere. „Entweder sind sie hier, oder im Dschungel umgekommen.“
„Aber die Wachen hatten zwei Gören gesehen, die in die Stadt gegangen sind.“
„Deswegen meint Gerib auch, dass sie sich hier irgendwo verkrochen haben müssen.“, sagte der Zweite. „Also schau überall nach, sonst können wir uns das Gold abschreiben, was wir für die Beiden bekommen sollen.“

Der Zwerg knurrte zustimmend, wandte sich um und verschwand hinter einer der Hausecken.

Raknos musste sich zusammenreißen, damit er dem Banditen nicht anfiel. Er brauchte seine ganze Willenskraft. Die Hand lag schon auf dem Schwertgriff. Aber stolz und froh. Stolz, weil Lia und Delgar den Banditen entkommen waren, und froh, dass sie noch am Leben waren. Ein Lächeln legte sich über seine Lippen. Nachdenklich schaute er auf das Meer und das Schiff, welches abgelegt hatte und den Horizont entgegen segelte.


Sturmwind, Altstadt

Die Altstadt von Sturmwind besaß einige dunkle Gassen. In einer der Gassen standen zwei finstere Gestalten.
„Endlich!“, sagte einer von ihnen. „Ich warte schon ne halbe Ewigkeit.“
„Nun bin ich ja da.“, kam die Antwort.
Die Stimme des Angesprochenen war kalt. Seine Bewegungen geschmeidig. Eine Narbe zog sich über das Gesicht. Sie verlief von der Nase über die linke Wange fast bis zum Ohr. Dunkle fast schwarze Augen musterten seinen Gegenüber. Er wusste, dass der Mann für ihn keine Gefahr darstellte.

„Also, Warabi? Was ist so wichtig, dass du mich treffen musstest?“

Warabis Lippen verzogen sich zu einem Grinsen.

„Sacor, du wirst es nicht bereuen.“, meinte Warabi.

Er griff in die Tasche seiner Jacke und holte ein Stück Leder hervor, das zusammengerollt war. Vorsichtig rollte Warabi das Leder auseinander.
„Was soll das sein?“, fragte Sacor. Sollte Warabi ihn wegen eines Stück Leders hierher gelockt haben? Er hoffte, dass es wichtig war und das es sich lohnte.
„Das ist der Weg zu einem Schatz.“

Das hörte sich schon besser an. Sacor schaute auf das Leder. Es war sehr mitgenommen und fleckig. Die Schrift war schon sehr verblichen. Aber er konnte Umrisse einer Karte erkennen. Darunter befanden sich Schriftzeichen. Aber so sehr er sich auch anstrengte, lesen konnte er sich nicht. Es war eine für ihn fremde Sprache.


„Was soll das sein?“, fragte er schließlich.

„Das zeigt die verborgene Stätte von Amunriel.“ Die Augen von Warabi leuchteten bei den Worten.
„Und das ist wer?“ Sacor war leicht verärgert.
„Nicht wer, sondern was?“ Er schaute Warabi finster an. Doch der lächelte nur.
„Amunriel ist der Zahn eines Drachen.“ Jetzt grinste er.


Sacors Laune verschlechterte sich weiter. Er hatte gewusst, dass es Zeitverschwendung sein würde sich mit diesem Schwachkopf zu treffen. Wie immer. Warabi kam immer mit solchen Dingen an, die sich dann als Nieten entpuppten. Einmal die Goldstatur, die zwei Meter groß sein sollte und sich dann als goldschimmernder Stein herausstellte. Dann ein großer Edelstein, der von dutzenden von verrückten Trollen und Geistern bewacht wurde. Sie hätten eine Armee gebraucht. Der Schatz des Piraten, der schon längst gefunden worden war. Und nun kam er mit dem Zahn eines Drachen an. Sicherlich war es wieder eine solche
Luftnummer.


„Hör auf, Warabi.“, rief er aus. „Klau endlich mal was nützliches.“
„Aber der Zahn ist wertvoll!“, protestierte Warabi.
Sacor winkte ab. „Alle deine Funde sind wertvoll und dann ist es doch nur wertloser Plunder.“
„Aber das hier ist was anderes.“, verteidigte er sich. Sacor drehte sich genervt um. „Der Zahn ist mit Magie erfüllt!“ Doch Sacor wirkte erneut ab. „Selbst die Zwerge waren aufgeregt, als sie das Leder gefunden hatten!“, rief Warabi ihm hinter her.
Sacors Schritte stoppten. Sollte wider erwarten doch etwas an der Geschichte sein? Er drehte nur den Kopf nach hinten und schaute Warabi aus dem Augenwinkel an.

„Welche Zwerge?“ Seine Frage war lauernd.

„Ich weiß nicht wie er heißt.“, sagte Warabi. „Aber der Zwerg ist der Ausgrabungsleiter und ist ganz aufgeregt durch das Lager gelaufen. Selbst die Assistenten waren ganz aufgeregt.“
Sacor drehte sich um und ging langsam zurück. Er legte den Kopf leicht schräg. Die Augen waren fast nur noch Schlitze. „Was haben sie gesagt?“

„Die dies hier...“ Warabi hielt ihm das Leder entgegen. „Einer der sensationellsten Funde ist der Forscherliga ist.“

„Was noch?“
„Das es sich mit ziemlicher Sicherheit um das Versteck von Amunriel handelte.“
„Und haben sie auch darüber gesprochen, was Amunriel ist? Und wo er ist?“
Warabis Lächeln wurde kleiner, aber er nickte. „Natürlich.“, meinte er unsicher. „Amunriel ist ein magischer Zahn eines Drachens. Er soll sich in Kalimdor befinden.“

„Welcher Drache?“ Sacors Stimmer wurde immer schneidender.

„Vom... vom roten Drachenschwarm.“
„Weiter!“, forderte er Warabi auf.
„Der Zwerg sagte, dass nach einer großen Schlacht, in der auch Menschen an der Seite von Drachen des roten Schwarms gekämpft haben, ein Magier einen Zahn von einem Drachen gefunden hatte. Er hat ihn magisch aufgeladen. Ein Drache des roten Schwarms hat ihm dabei geholfen. Der Zahn soll sehr mächtige Eigenschaften haben.“

Sacor schaute seinen Gegenüber scharf an. Jedes Mal hatte Warabi ihm eine fantastische Geschichte aufgetischt, aber dieses Mal schien es die Wahrheit zu sein.

„Wo ist diese Ausgrabung?“
„In Loch Modan.“
Die Antwort kam ohne ein Zögern. Sie schien also zustimmen. Und zufällig wusste Sacor, dass es dort wirklich eine Ausgrabung gab. Mit stechenden und lauernden Augen sah er Warabi ins Gesicht. Die Angst konnte er mehr als deutlich sehen und es freut ihn, dass sein Gegenüber Angst hatte. Er sollte wissen, dass Sacor nicht zögern würde ihm die Klinge seines Dolches zwischen die Rippen zu jagen.

„Zeig mir nochmal die Karte.“, forderte er.

„Heißt das, du glaubst mir?“, fragte Warabi unsicher.
„Das heißt noch gar nichts.“, gab er kalt zurück. Dieser Bastard hatte ihm schon oft Reichtum versprochen, der sich dann in Luft aufgelöst hatte. Zorn stieg in ihm auf, wenn er daran dachte. „Ich will mir nur nochmal die Karte anschauen. Das ist alles.“
Warabi streckte ihm den Arm mit dem Leder entgegen. Er riss ihm das Leder förmlich aus der Hand und Warabi zuckte erschrocken zusammen. Erneut schaute Sacor sich das Leder an.

Es war sehr alt und die Tinte war sehr blass. Er musste sich anstrengen um etwas zu erkennen. Die Schriftzeichen kannte er nicht, ganz zu geschweige davon, dass er sie lesen konnte. Aber die verblassten Zeichnungen erinnerten ihn an Landkarten. Eine von ihnen kam ihm bekannt vor, aber er konnte sich nicht daran erinnern, welches Land sie darstellte. Ein Punkt war hervorgehoben. Und wenn er sie richtig hielt, dann lag er im Norden des Gebietes. Die zweite Zeichnung schien den hervorgehoben Punkt aus der oberen Zeichnung darzustellen. Hier war sich Sacor sicher, das es sich um einen Berg oder ähnliches handelte. Es war also ein Gebiet, in dessen Norden ein Berg lag.


„Und? Hast du was?“, fragte Warabi neugierig.

„Vielleicht.“, antwortete Sacor nachdenklich. „Fällt dir ein Landstrich ein, in dessen Norden ein Berg ist?“
Warabi schwieg eine Weile. Als Sacor ihn anschaute, blickte er angestrengt auf den Boden. Der Kerl war ein Idiot. Er war zu nichts zu gebrauchen. Wenn er etwas klaute, dann war es nichts wert, oder Warabi wurde erwischt. Wie oft hatte Sacor gehört, dass dieser Dummkopf wieder in irgendeiner Zelle saß. Es wunderte ihn, dass dieser Möchte-gern-Dieb bis heute überlebt hatte.
Warabi schaute auf und grinste. „Wie wäre es mit der brennenden Steppe?“
Daran hatte Sacor auch schon gedacht. Doch er schüttelte den Kopf. „Glaube ich nicht. Wenn dieses Artefakt dort wäre, dann hätte der Schwarzfels Clan es bestimmt schon gefunden und würde dort nicht weiter hausen.“, meinte er nachdenklich.

MaxSpace

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20

Samstag, 15. Juni 2013, 19:00

Teil 2

„Tausend Nadeln?“
Nachdenklich sah Sacor ihn an. Schüttelte dann aber wieder den Kopf. „Zu viele Berge.“, meinte er und deutete auf das Leder. „Es wären mit Sicherheit mehrere dieser Säulen eingezeichnet.“
„Un'Goro!“, rief Warabi.
„Ja, das passt schon eher.“ Vielleicht war der Kerl doch gar nicht so doof, wie er aussah. Sacor beschloss vorsichtiger zu sein. „Das Problem ist nur, dass der Berg in Un'Goro kein wirklicher Berg, sondern mehr ein Hügel ist und dazu noch ein Vulkan.“, sagte er nach einer Weile.

So sehr er auch nachdachte, ihm wollte keine passende Stelle einfallen. Vielleicht befand sich dieser Berg auch gar nicht auf Azeroth. Dann wäre dieses Artefakt für ihn nie zu erreichen. Möglich wäre es. Die Orcs war
schließlich auch nur auf Azeroth gestrandet. Dann kann es gut sein, dass dieses Stück Leder von ihnen stammt und auf einen Berg in ihrer alten Heimat hinwies. Aber dann passte die Geschichte von diesem Zahn nicht mehr. Sacor wurde wütend. War nun was dran oder nicht? Dieses Leder bewies, dass es etwas gab. Und es bewies, dass es noch nicht gefunden war, da es sonst bekannt wäre, wenn ein solch legendäres Stück in der Welt wäre. Aschebringer war ja auch bekannt.


Orcs. Ein Volk, welches in Kalimdor lebte. Thrall war der Anführer der Orcs und hatte mit einigen Völkern einen Pakt geschlossen. Die Trolle befanden sich darunter. Ebenso wie die Tauren, die gleich nebenan leben. Durotar, mit der Hauptstadt Ogrimmar. Mulgor, mit der Hauptstadt der Tauren Donnerfels. Und dazwischen lag... das... Brachland!
„Das ist es!“, rief Sacor aus.
Warabi zuckte erschrocken zusammen und schaute ihn an. „Was?“
„Der Berg liegt im Brachland!“, sagte Sacor und schaute auf das Leder. „Dort gibt es Berge. Sie stehen einzeln und sind richtige Berge und keine Hügel.“
„Bist du dir sicher?“, fragte Warabi vorsichtig.

Sacor maß ihn mit einem kalten Blick. Langsam rollte er das Leder zusammen. Er war sich sicher. Das Brachland war die beste Möglichkeit. Und wenn die Karte stimmte, dann wusste er auch schon, wo er suchen musste. Das Artefakt würde ihm einem Menge Geld einbringen. Vielleicht sogar soviel, dass er sich einen ruhigen Lebensabend leisten konnte.

„Ja.“, sagte er dann. „Ich bin mir sogar ziemlich sicher.“
Warabis Auge begannen zu leuchten. „Wie kommen wir am besten dort hin?“, fragte er. „Über Menethil oder doch besser nach Beutebucht?“
„Ich denke, wir sollten die Tiefenbahn nach Eisenschmiede nehmen und dann nach Menethil.“, sagte Sacor während er das Lederstück in seiner Jacke verstaute. „Und von dort weiter mit dem Schiff.“

„Dann lasst uns aufbrechen.“ Warabi lächelte ihm freundlich zu und drehte sich um.
Nach seinem ersten
Schritt spürte er einen Schmerz in seinem Rücken. Doch er dauerte nur einen kurzen Moment. Als die Dolchspitze sein Herz durchbohrte spürte er nichts mehr.

„Für dich ist die Reise hier zu Ende.“, sagte Sacor leise und fing den leblosen Körper auf.
Er setzte ihn auf eine Kiste. Warabi sah friedlich aus, als würde er schlafen. Sacor war sich sicher, dass er nichts gespürt hatte. Er wusste, wie er schnell töten konnte.

Dann drehte er sich um und ging ins Zwergenviertel von Sturmwind. Dort befand sich die Tiefenbahn, mit der er nach Eisenschmiede gelangte. Von dort mit einem Greif nach Menethil und dann weiter mit dem Schiff nach Kalimdor. Er war sich sicher, dass er das Versteckt von Amunriel finden würde. Und dann würde er ihn verkaufen. Teuer verkaufen.



Beutebucht, Schlingdrontal

Noch immer suchten die Banditen ihre Ware. Einer von ihnen suchte auf der zweiten Ebene in Beutebucht. Er schaute hinter Kisten, Fässern und Säcken. Doch von den Kindern war nichts zu sehen. Er hatte sogar einige Leute gefragt, aber immer nur Kopfschütteln geerntet. Langsam wurde er wütend. Wehe, wenn er die Beiden zufassen bekam. Als er gerade an einer Tür vorbei kam, wurde er gepackt. Es ging so schnell, dass er zu keiner Reaktion fähig war. Er flog regelrecht in das Innere des Hauses. Den Säcken, die auf dem Boden lagen konnte er nicht ausweichen und landete hart auf dem Boden.


Dafür würde der verdammte Bastard zahlen! Er rappelte sich auf drehte sich um und der Tritt vor die Brust pumpte ihm die Luft aus den Lungen. Laut krachend fiel er gegen die Hauswand. Als er sich halbwegs erholt hatte, stand ein Hüne von Mann vor ihm und hielt ein Schwert in sein Gesicht. So wie der Mann vor ihm stand, wusste er, dass der Hüne ein erfahrener Kämpfer war. Also tat er nichts, was den anderen dazu antrieb ihm
das Schwert zwischen die Rippen zu jagen.

„Was willst du?“, fragte er. „Mein Gold? Ich habe keins. Nur ein paar Silberstücke.“
Das Gesicht des Fremden verfinsterte sich und seine Augen glommen förmlich.

„Meine Kinder will ich!“ Raknos Stimme war schneidend.
Er konnte sehen, wie dem Banditen der Schreck in die Glieder fuhr. Und nur Sekunden später hatte der auf dem Boden liegende Angst.
„Welche Kinder?“ Ein unsicherndes Lächeln legte sich auf das Gesicht des Banditen. Raknos Wut wurde
größer. Er drückte die Schwertspitze auf die Brust seines Gegners.
„Treib es nicht auf die Spitze!“ Seine Stimme war noch schneidender und gefährlich leise. „Ihr Bastarde habt schon meine Frau und meinen Jüngsten auf dem Gewissen. Wo sind meine Kinder?“


„Ich habe sie nicht getötet!“, rief der Bandit.
Im gleichen Moment wusste er, dass er sich verraten hatte. Raknos Augen verengten sich zu Schlitzen. Sein Arm vergrößerte leicht den Druck mit dem Schwert. Das Gesicht des Banditen verzog sich vor Schmerzen.
„Wir wissen nicht, wo sie sind.“, sagte er schließlich. „Sie sind auf dem Weg hierher geflohen. Vielleicht sind sie irgendwo hier. Vielleicht hat der Dschungel sie verschluckt.“
„Wehe, wenn ihnen etwas zugestoßen ist.“, sagte Raknos drohend. „Ich werde dich und deines Gleichen finden und töten.“

Er nahm das Schwert von der Brust des Banditen und drehte sich um. Raknos wusste, dass der Bastard sich aufrichten und ihn von hinten Niederstrecken wollte. Die Geräusche hinter ihm sagten ihm, dass ein Dolch gezogen wurde. Mit einer schnellen Drehung traf sein Stiefel den Banditen mitten im Gesicht. Der Kopf flog zur Seite und der Mistkerl landete Bewusstlos hinter ein paar Säcken. Dann verließ Raknos zu frieden das Haus.
Er schaute sich um. Niemand schien das kleine Verhör mitbekommen zu haben. Der Bandit würde erstmal eine Weile außer Gefecht sein. Diese Zeit musste er nutzen, um eine Spur von seinen Kindern zu finden. Gedanken
schossen ihm durch den Kopf. Gedanken, was passieren würde, wenn die Banditen Lia und Delgar vor ihm finden würden. Zorn übermannte ihn. Doch er musste die Gedanken abschütteln. Die Beiden waren nicht
dumm. Er hatte ihnen einiges beigebracht und dass gab ihm Hoffnung.


Die Worte des einen Banditen kam ihm in den Sinn. Die Wachen haben zwei Gören gesehen, die in die Stadt gegangen sind. Er war auch davon überzeugt, das Lia und Delgar sich in Beutebucht befanden. Die Stadt bot einige Verstecke. Sein Blick streifte durch die Bucht. Die Festungsanlage zum Beispiel. Aber die war befestigt
und stark bewacht. Irgendwo in einem der Häuser? Doch die waren alle bewohnt. Und er hielt es für ausgeschlossen, das ein Gobblin ihnen Unterschlupf bot. Diese grünen Langohren waren mehr auf ihren Vorteil bedacht. Sein Blick fiel auf das Hafenamt zu seiner Rechten. Zwischen den ganzen Waren, die dort lagerten, gab es sicher einige Verstecke. Allerdings war dort der meiste Betrieb. Vor allem, wenn ein Schiff im Hafen lag.


Raknos Augen weiteten sich bei diesem Gedanken. Wenn der stimmen sollte, dann würden die Banditen sie nie finden. Mit schnellen Schritten ging er die Rampe hinunter. Am Ende des Stegs, wo die Schiffe anlegten, waren einige Hafenarbeiter damit beschäftigt Waren zu stapeln, die wohl mit dem nächsten Schiff rausgehen sollten. Er fragte einen Gobblin, der mit einem Pergament in den Händen die Waren begutachtete.


„Was glaubt ihr eigentlich?“, fauchte der ihn mit fast kreischender Stimme an. „Ich habe keine Zeit mir die Leute anzuschauen. Wenn nicht die richtigen Waren verladen werden, dann können wir Beutebucht gleich schließen!“ Damit wandte er sich wieder seinem Pergament zu und beachtete Raknos nicht weiter.


Ein anderer Gobblin schaute ihn an. Er hatte plötzlich das Gefühl, als würde der wissen, wovon Raknos sprach. Er ging auf ihn zu.

„Habt ihr zwei Menschenkinder gesehen?“, fragte er den Gobblin.

Doch der schaute ihn nur an. Raknos griff in eine Tasche und holte ein Silberstück hervor. Er warf es dem Gobblin zu, der es geschickt auffing. Mit einem schnellen Blick schaute er auf die Münze. Fragend schaute er Rakos an und hob eine Augenbraue. Wieder griff Raknos in die Tasche. Dieses Mal holte er zwei Silberstücke hervor.

„Es sind zwei junge Menschen an Bord gegangen. Eine Frau und ein Mann.“, sagte der Gobblin.

„War die Frau so groß?“ Er hielt die Handkante vor seine Brust. „Und hatte lange braune Haare?“ Der Gobblin nickte. „Und der Mann hatte kurze helle Haare und ist genau so groß?“
Wieder nickte der Gobblin. Raknos war erleichtert. Anscheind waren seine Kinder den Banditen erneut entkommen und sie waren auf dem Weg nach Kalimdor. Dort war es aber nicht weniger gefährlicher als hier.
Aber er hatte eine Spur und konnte ihnen folgen.


„Wann fährt das nächste Schiff?“, fragte er.

„Morgen früh.“, antwortete der Gobblin.
Raknos nickte und gab dem Gobblin zwei weitere Silberstücke. Dann ging er zum Hafenamt und besorgte sich eine Passage. Jetzt gab es nur noch eine Sache, die er erledigen musste. Irgendwie musste er die Banditen aufhalten.


Brachland, außerhalb von Ratchet


Natürlich waren Lia und Delgar entdeckt worden. Auch Kyra, der Panther war nicht verborgen geblieben. Aber die Besatzung des Schiffes hatte sie nicht einfach über Bord geworfen, sondern ihnen etwas zu Essen gegeben. Zuerst war der Kapitän sehr aufgebracht, doch dann, nachdem sie ihm ein paar Fragen beantwortet hatten, hatte er sogar gelächelt. Am Mittag des nächsten Tages lief das Schiff in Ratcht ein. Ratcht war im Vergleich zu Beutebucht klein. Es lag in einer Senke am Meer. Ein paar Häuser und Geschäfte gab es. Die
Leute, die sich auf den Straßen befanden waren auch nicht so geschäftig gewesen wie in Beutebucht. Aber hier sahen die Beiden das erste Mal in ihrem Leben Trolle und Orcs. Von diesen Völkern hatte sie bisher nur gehört. Misstrauisch wurden sie betrachtet. Doch der Panther schreckte wohl doch einige ab sich ihnen zu nähren.
Schließlich verließen sie den Ort und stiegen den Hügel hinauf. Oben empfing sie das Brachland. Die langen Gräser prägten das Land und tauchten es in gelbe Farbtöne. Überwiegend war das Land eben, nur ein paar Felsen unterbrachen die ebene Fläche. In der Ferne war der eine, zwei Berge zu erkennen. In einiger Entfernung wuchsen aber auch Palmen. Viele Wildtiere liefen durch das hohe Gras. Tiere, die Lia und Delgar nicht kannten.


Als sich langsam die Nacht über das Land legte verließen sie den Weg ein paar Meter. Neben einem Felsen fanden sie eine Lagerstätte. Holz war schnell zusammengesammelt und das Feuer wärmte sie. Delgar holte
aus einem Rucksack etwas zu Essen, welches sie von der Besatzung des Schiffes mitbekommen hatten. Nach dem kleinen Mahl legten sie sich hin.


„Wie viele Sterne es gibt.“, sagte Delgar.

„Ja.“, antwortete Lia. „Sie funkeln wie Edelsteine.“
Kyra gab einen tiefen kehligen Laut von sich, als sich der Panther zu den Beiden legte. Sie putzte sich die Vorderpfoten. Das Feuer knisterte und tauchte den Felsen in oranges Licht.
„Ob Vater uns findet?“, fragte Delar in die Stille.
„Natürlich.“, meinte seine Schwester. In ihrem Innern war sie sich aber nicht so sicher. Wie sollte er sie finden? Westfall war weit weg. Und ob sie die Banditen abgeschüttelt hatten wusste sie auch nicht. In Beutebucht waren sie ihnen fast wieder in die Hände gefallen. Und nun waren sie sogar auf einem anderen Kontinent.

„Aber wir sollten versuchen den Weg allein nach Hause zu finden.“, sagte sie dann. „Dort können wir dann auf Vater warten.“

„Und wie sollen wir dort hinkommen?“, fragte Delgar. „Wir wissen ja noch nicht einmal, wo wir sind.“

„Wir finden schon einen Weg.“ Lia hoffte, dass ihre Stimme voller Zuversicht klang.
„Auf der anderen Seite.“, meinte ihr Bruder nach einer Weile. „Wir sehen was von Azeroth.“
„Du spinnst.“
„Nein.“, sagte er und schaute sie an. „Vielleicht erleben wir ein Abenteuer.“
Lia konnte nicht anders und musste kurz Auflachen. „Dir langt dashier wohl noch nicht, oder?“
„Ich weiß nicht, was du meinst.“
„Delgar.“, sagte sie eindringlich. „Wir sind entführt worden. Mutter und Tereda leben nicht mehr. Vater weiß nicht wo wir sind und zu allem Überfluss sind diese Banditen wahrscheinlich immer noch hinter uns her.“ Delgar war wirklich naiv. Sie schaute ihn böse an. Ihr Bruder machte nun doch einen nachdenklichen Eindruck. „Und wir wissen auch nicht, wo wir uns befinden. Und wie gefährlich es hier ist.“


„Wenn man ein paar Regeln beachtet, ist es nicht sehr gefährlich.“, sagte ein sehr tiefe Stimme aus der Dunkelheit.

Die Geschwister zuckten vor Schreck zusammen. Kyra lag immer noch neben ihnen, hatte aber nun den Kopf gehoben. Nach einer kleinen Ewigkeit konnten sie eine dunkle Silhouette gegen den Sternenhimmel erkennen. Langsam trat sie in den Schein des Feuers. Und dann stand eine Gestalt vor ihnen, wie sie sie noch nie gesehen hatten.

Sie war sehr groß. Größer als ihr Vater. Der ganze Körper war braunes Fell bedeckt. Aus dem Kopf wuchsen zwei Hörner, die nach vorne gebogen waren. Es hatte eine lange Schnauze wie ein Tier ging aber auf zwei Beinen. Die Arme waren sehr muskulös und die Hand besaß nur drei Finger. Hier war das Fell allerdings weiß. Und statt Füße hatte die Gestalt große ovale Hufe. Ein Großteil des Körper war mit einer Rüstung bedeckt.


Lia fand als erste die Sprache wieder. „Bleib weg von uns!“, rief sie.

Und dann passierte das gleiche, was schon einmal im Dschungel geschehen war. Vor ihrer Hand bildete sich in Sekundenbruchteilen einen dunkle Kugel, die im Feuer zu leuchten schien. Sie schoß auf die Gestalt zu und explodierte vor seiner Brust. Die Wucht ließ sie zurück aus dem Schein des Feuers taumeln. Nur Kyra sprang dieses Mal nicht auf die Gestalt zu.

„Das war sehr beeindruckend.“, hörten sie die tiefe und dunkle Stimme sagen.

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