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Joy22

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21

Mittwoch, 19. Juni 2013, 02:29

Ahhh >< kannst doch nicht einfach aufhören :/ :sorry:

Ich meine klar kannst du schon, hast du auch aber das ist sehr gemein ;/ ^^ :P

Wie immer Super und sehr schön geschrieben

Need more :hail: :heart_beat:

Lg *Joy*

_____________________________________
Für die Welt bist du irgendjemand. Aber für irgendjemanden bist du die Welt... :heart_beat:

Das Geheimnis meiner Kraft :devil: http://www.youtube.com/watch?v=TtNfcQ9HqW0

Du bist lustig, dich töte ich zuletzt xD

yalathar

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22

Mittwoch, 19. Juni 2013, 18:44

Ich habe auch vergeblich nach dem nächsten Posting gesucht :)

Aber bevor das falsch verstanden wird: ich kann mir gut vorstellen, wie viel Zeit und Arbeit da drin steckt-- deshalb ein ganz großes Dankeschön dafür und ich hoffe, du bist weiterhin motiviert, das fortzusetzen!
“First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.”
(Mahatma Gandhi, 1869-1948)

MaxSpace

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23

Mittwoch, 19. Juni 2013, 18:53

Fortsetzung ist schon in Arbeit und wird kommen. Dauert halt nur ne Weile. ;)
Ich bemühe mich aber um Eile. :D

PS: Danke für das Lob. ^^

Animal

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24

Mittwoch, 19. Juni 2013, 19:10

Ganz tolle Sache!!

MaxSpace

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25

Sonntag, 25. August 2013, 17:23

So. Nach langer Wartezeit, hier die Fortsetzung.
Viel Spaß. ;)

MaxSpace

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26

Sonntag, 25. August 2013, 18:05

Fundstücke

„Das war sehr beeindruckend.“, hörten sie die tiefe und dunkle Stimme sagen.
Lia und Delgar starrten in die Dunkelheit. Sie hatten Angst und keine Waffen, mit denen sie sich verteidigen konnten. Selbst der Panther blieb immer noch liegen.
„Ich habe sehr selten einen so jungen und talentierten Magier getroffen.“
Langsam kam die Gestalt wieder näher. Als sie wieder im Schein des Feuers stand, schien sie zu Lächeln. Zumindest sollte es wohl ein Lächeln sein.
„Gestattet, wenn ich mich zu euch setze?“, fragte die tiefe dunkle Stimme der Gestalt.
Dieses Mal war es Delgar, der als erster sprach. „Was wollt ihr von uns? Wir haben euch nichts getan.“

Diese unheimliche Kreatur machte keine Anstalten sich zu setzten. „Ich möchte euch nur das Brachland erklären.“, sagte sie ruhig und freundlich. „Das ist das Land, in dem ihr euch befindet.“ Lia und Delgar schauten sich fragend an. „Außerdem bin ich müde und so ein Lagerfeuer bietet doch ein wenig Wärme in kühlen Nächten wie dieser.“

Lia wusste nicht so recht. Dieser Fremde war ihr unheimlich. Wenn sie ihn wegschickten kam er vielleicht im Schutz der Dunkelheit zurück, um sie... Sie dachte den Gedanken nicht weiter. Wenn sie ihn einluden, erfuhren sie vielleicht mehr über dieses Brachland. Er wusste zumindest mehr als sie. Und dann hatte er noch etwas mit Magier gesagt. Und genau das interessierte Lia am meisten. Doch wieder kam ihr Bruder ihr zuvor.
„Setzt euch.“, sagte er. „Doch ich warne euch. Wenn ihr versucht mir und meiner Schwester etwas anzutun, dann hetzte ich mein Tier auf euch.“
„Da bin ich mir sicher.“, sagte die Gestalt und setzte sich den Geschwistern gegenüber ans Feuer.
„Wer seit ihr?“, fragte Lia.
Die kindliche Neugier war in ihr erwacht. Sie hatte zwar immer noch Angst, aber irgendwie wollte sie wissen, was und wer der Fremde war.
„Mein Name ist Grisom. Grisom Steppenwanderer und ich gehöre dem Volk der Tauren an.“, sagte der Taure. „Darf ich eure Namen
erfahren?“
„Ich bin Delgar und das ist Lia, meine Schwester. Und das.“ Delgar kraulte das Fell des Panthers, der die Berührung mit einem tiefen und wohligen Schnurren erwiderte. Er lächelte breit und sagte voller Stolz: „Das ist Kyra.“

Der Taure betrachtete das Tier. Und Lia meinte in seinen Augen etwas wie Sehnsucht zu erkennen. Sie konnte sich aber auch täuschen, schließlich kannte sie das Volk nicht.
„Sie ist ein sehr schönes Tier.“, sagte Grisom schließlich. „Seit ihr schon lange zusammen?“
Delgar schaute über das Feuer den Tauren an. „Seit gut zwei Tagen.“
„Du weißt, das es ein Weibchen ist?“ Delgar nickte. „Und woher weißt du es?“, wollte der Taure wissen.
Delgar zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht.“, antwortete er verlegen. „Ich wusste es einfach.“
Grisom nickte und brummte bestätigend. Er wirkte nachdenklich. Dann wandte er sich an Lia. „Und seit wann kannst du die Arkaneenergie bündeln?“
„Die was?“, platzte es aus ihr heraus.
Sie kannte zwar bis heute nicht das Volk der Tauren, aber sie war sich sicher, das Grisom erstaunt war.
„Das ist sehr interessant.“, sagte er nachdenklich und schaute dabei von einem zum anderen.

Sie spürte, dass der Taure mehr wusste, als er bis jetzt gesagt hatte. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie keine Angst mehr vor ihm
hatte. Er war ihr sympathisch und Grisom hatte keine schlechten Absichten. Dann fiel ihr ein Gespräch mit ihrem Vater ein. Er hatte
ihnen von den verschiedenen Völkern erzählt, die auf Azeroth lebten. Die Nachtelfen, Zwerge und Gnom, die zusammen die Allianz
bildeten. Sie kämpften Seite an Seite in einigen Gebieten gegen die Horde. Die sich aus Orcs, Trollen, Untoten und Tauren gebildet hatte. Vor einiger Zeit waren auch die Blutelfen ein Teil der Horde geworden. Sie hatten sich wohl von den Nachtelfen getrennt und einen anderen Weg beschritten. Zumindest irgendwie so. Lia wusste es nicht mehr so genau. Auch die Allianz hatte neue Verbündete bekommen. Die Dranai. Ihr Vater hatte erzählt, dass diese Volk einen sehr langen Weg hinter sich hatte. Aber viel wusste Lia nicht über sie. Und gesehen hatte sie sie auch noch nie.

Ein kleiner Schock durchfuhr sie, als sie sich an die Erzählungen ihres Vaters erinnerte. Ihnen gegenüber saß ein Taure. Ein Angehöriger der Horde. Der Feind! Würde er doch über sie herfallen? Sie töten? Vielleicht wartete er nur auf den richtigen Augenblick?
„Ihr gehört der Horde an, nicht war?“, fragte sie. Lia hatte ihren ganzen Mut gebraucht, um diese Frage zu stellen.
Der Taure lächelte wohl wieder. „Ja, das stimmt.“, antwortete er mit seine tiefen Stimme. Aber es schwang keine Drohung oder Vorwurf mit. „Mein Volk hat sich der Horde angeschlossen. Und viele sind der Ansicht, dass die Allianz der Feind ist. Ich bin mir sicher, dass es auf der anderen Seite nicht anders ist. Aber ich bin anderer Ansicht. Warum soll man sich gegenseitig bekämpfen?“
Grisom sah sie fragend an. Er machte nicht den Eindruck, als würde er jeden Moment aufspringen und sich auf sie stürzen.
„Also wenn mir jemand etwas wegnehmen will, dann wehre ich mich.“, sagte Delgar.
Der Taure nickte zustimmend. „Richtig. Das würde wohl jeder machen. Aber würdest du auch kämpfen und töten, nur weil jemand anderes nicht deiner Meinung ist?“
Delgar schaute ihn an und schüttelte langsam den Kopf.
„Das Horde und Allianz sich bekämpfen ist eine komplizierte Sache.“, sagte der Taure und schaute in das Feuer. „Ich habe schon vor Jahren meinen Frieden geschlossen. Warum soll ich jeden Nachtelfen oder Zwerg töten, der mir über den Weg läuft? Sie haben mir nichts getan. Azeroth ist groß genug für alle.“
Schweigen trat in die ungleiche Runde. Lia dachte über die Worte Grisoms nach. Sie hatten Glück gehabt. Wenn ein anderer Taure ihr
Feuer gesehen hätte, wäre die Begegnung wohl anders verlaufen.

Doch dann hielt sie es nicht mehr aus. „Ihr sagte vorhin etwas von Magie.“, sagte sie schließlich. „Was meintet ihr damit?“
Der Taure schaute sie lange an. „Diese schwarze Kugel, die du mir entgegen geworfen hattest, bestand aus arkaner Magie. Viele Magier, die ich getroffen habe, benutzen meistens Feuer oder Eismagie. Arkanemagie ist selten.“
„Ihr wollt mir erzählen, dass ich Magie beherrsche?“, fragte sie erstaunt.
„Richtig.“, bestätigte Grisom. „Aber deiner Reaktion nach wusstest du das selbst wohl nicht.“ Er schwieg nachdenklich, doch dann fügte er hinzu: „Du scheinst ein Naturtalent zu sein.“ Dann schaute er auf den Panther, der seinen Kopf auf die Vorderpfoten gelegt hatte und dann zu Delgar. „Ihr Beide scheint mir sehr begabt zu sein. Die Erdenmutter hat es wohl sehr gut mir euch gemeint.“
Lia und Delgar tauschen verblüffte Blicke aus.
„Wie meint ihr das?“, fragte Delgar nach einer Weile.
„Ihr Zwei seit lustig.“ Der Taure lachte leise, welches die Ähnlichkeit wie das Grollen eines heranziehendes Gewitter hatte.
Doch dann schaute er sie ernst an. Grisom nahm einen Ast und warf ihn ins Feuer. Funken stoben auf und kreisten in den Flammen. Wie Fliegen, die im Feuer geboren worden waren und es nun umkreisten.

„Ich habe noch nie einen Menschen mit einem Jagdtier getroffen.“, begann er an Delgar gewandt. „Und dazu noch so jung. Die meisten Bündnisse dieser Art werden geschmiedet, wenn man kurz vor dem Mannesalter steht.“
„Sie ist zu mir gekommen.“, warf Delgar ein.
Der Taure nickte. „Eine weitere Bestätigung. Auch das ist sehr selten, denn meistens ist es anders herum. Das Tier wird ausgesucht
und dann gezähmt.“
„Ausgesucht?“ In Lias Stimme schwang Empörung mit.
Doch der Taure lächelte, zumindest glaubte sie das. „Nicht einfach so.“, erklärte er. „Man spürt es. Hier drin.“ Er klopfte sich mit der flachen Hand auf die Brust.

„Und wenn es doch nicht will?“, fragte Lia.
„Wenn man Glück hat, dann kommt man ohne große Verletzungen davon. Aber wenn man Pech hat... Manch einer ist sogar an dem Versuch gestorben.“
„Ihr hatte selber mal ein Tier, oder?“, vermutete Delgar.
Der Taure nickte und man konnte ihm die Trauer ansehen. „Polus!“, sagte er wehmütig. „Er war ein treuer Gefährte.“
„Was ist passiert?“, wollte Delgar wissen.
„Das Alter.“, antwortete Grisom. „Die Erdenmutter hatte beschlossen ihn zu sich zu rufen.“
Lia war, als würden in den Augen des Taurens Tränen schimmern. Warum auch nicht. Schließlich war das Tier wohl mehr als nur ein
Begleiter und sie waren anscheinend lange zusammen gewesen. Er wandte seinen Kopf wieder Lia zu.
„Du musst lernen, die Magie, die in dir wohnt, zu beherrschen.“, sagte er unverhofft an Lia gewandt. Und nach einer Weile fügte er
nachdenklich hinzu: „Vielleicht kann ich dir sogar helfen.“
„Wie meint ihr das?“, fragte sie neugierig. „Seit ihr auch Magier?“
Grisom schüttelte den Kopf. „Nein. Zumindest nicht so wie du.“, antwortete er. „Ich beherrsche nur einen Bruchteil von Magie und die unterscheidet sich auch von deiner. Aber ich kenne jemanden, der uns weiterhelfen könnte.“

„Wo finden wir deinen Freund?“ Lia war aufgeregt. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und losgelaufen. Ihr Wissensdurst war geweckt worden und sie wollte alles erfahren. Der Gedanke, dass sie Magie beherrschte, ließ eine innerliche Spannung spüren. Magie! Was könnte sie alles machen. Bis jetzt hatte sie nur durch Zufall diese Kraft freigesetzt.
„Er lebt etwas weiter in Norden. Vielleicht finden wir ihn am Fuße eines Berges, wo er des öfteren Pflanzen sucht.“, sagte Grisom.
„Wir sollten bei Sonnenaufgang aufbrechen. Es ist ein gutes Stück Weg.“
Der Taure nahm sein Rucksack als Kopfkissen und legte sich hin. Auch Lia und Delgar legten sich schlafen. Doch während Delgar schnell
einschlief, lag Lia noch eine Zeit lang wach und starrte ins Feuer. Doch irgendwann fielen auch ihr die Augen zu.


Eisenschmiede.

Sacor trat in die gigantische Halle, die als Ring die verschiedenen Viertel von Eisenschmiede, der Hauptstadt der Zwerge, verband. Am Tag zuvor war er mit der Tiefenbahn aus Sturmwind gekommen. Im Militärviertel hatte er eine kleine Unterkunft zu einem günstigen
Preis gefunden. Die Häuser waren alle in den Berg gebaut worden und waren von dieser gigantischen Halle aus zu erreichen. Sacor wandte sich nach rechts und schritt auf den Durchgang zu, der diese Ringhalle mit dem Inneren von Eisenschmiede verband. Diese Kaverne war genauso beeindruckend, wie der Rest der Zwergenstadt. In der Mitte befand sich ein riesiger Lavasee und von der Decke ergoss sich ein nicht endender Lavastrom. Sacor hatte keine Ahnung wie die Zwerge die Lava nutzte, oder ob sie sie überhaupt nutzten. Die Luft war schwer und hinterließ einen nicht zu beschreibenden Geschmack auf der Zunge. Je näher der dem tief im Gestein liegenden rotglühenden See kam, desto wärmer wurde es. Er konnte nicht widerstehen und warf einen Blick über das Geländer hinunter in die See. Ein heißer Wind schlug ihm entgegen und fuhr ihm durch die Haare.

Der Schrei eines Greif hallte durch die Kaverne, als eines dieser Tiere in einem großen Kreis dicht unter der Decke zog, um kurz darauf elegant auf dem Greifenplatz zu landen.
Auf dem Weg von Sturmwind nach Eisenschmiede hatte sich Sacor überlegt in der riesigen Bibliothek von Eisenschmiede einmal nachzuforschen. Diese Bibliothek war eine wahre Fundgrube. Sie stand der Architektur von Eisenschmiede in nichts nach und war so
umfangreich wie keine andere. Vielleicht fand er hier etwas, was den verblassten Schriftzeichen auf den Leder ähnelte. So machte Sacor sich auf den Weg in das Viertel, welches die Forscherliga beherbergte. Gegenüber dem Durchgang von der Schmiede erhob sich der prachtvolle Eingang zur Bibliothek.
Als er die Stufen hinauf schritt überlegte Sacor, ob er einen der Archivare um Hilfe bitten sollte, doch den Gedanke verwarf er schnell
wieder. Lieber investierte er einen Tag, als irgendjemanden auf das Leder aufmerksam zumachen. Und so verschwand er zwischen den Büchern und Papyrusrollen.


Brachland.

Die Sonne stand schon hell am Himmel und wärmte Lias Gesicht. Sie musste blinzeln als sie in das helle Licht schaute. Delgar und Grisom standen ein wenig abseits. Der Taure deutete in die Ebene hinein und sprach mit ihrem Bruder. Das Feuer war erloschen und nur dünne Rauchfäden stiegen noch aus der Asche auf. Lia erhob sich und trat müde neben ihren Bruder. So richtig wach war sie noch nicht.
„Dort hinten, hinter den Sträuchern lauern Hyänen.“, sagte Grisom und deutete auf einen der grünen Sträuchern in dem gelben Gras. „Fühlst du sie?“
Delgar antwortete nicht gleich. Auf einen dicken Stock gestützt schaute er angestrengt in die vom Tauren gedeutete Richtung. „Es sind vier!“, sagte er schließlich.
Lia sah ebenfalls in die Richtung, doch außer den Sträuchern konnte sie nichts erkennen.
„Fast.“, sagte Grisom mit seiner tiefen Stimme. „Es sind fünf. Aber das du sie ohne Übung und Ausbildung erkennst, sagt mir, dass
du ein sehr großes Talent besitzt.“
„Also ich sehe nichts.“, mischte Lia sich ein. Dann schaute sie sich suchend um. „Wo ist eigentlich Kyra?“
Ihr Bruder wandte ihr den Kopf zu und erklärte: „Die ist jagen.“ Dann legte sich ein breites Grinsen über seine Lippen. „Und die Hyänen kann man mit den Augen auch nicht sehen.“
„Aha.“, machte sie. „Und womit dann?“ Ihre Stimme klang angriffslustig.
Delgar suchte anscheint nach passenden Worten. Grisom kam ihm nach einem Moment zur Hilfe.
„Es ist mehr ein Fühlen.“, versuchte er zu erklären. Auch ihm fiel es nicht leicht die passenden Worte zu finden. Dann klopfte er mit der Hand leicht auf seine Brust. „Es ist mehr ein innerliches sehen. Wenn dein Bruder in sich hinein hört, kann er die Tiere fühlen.“ Lia verstand nur sehr schwer, was der Taure genau damit meinte. „Es ist wie eine Art Kompass. Er spürte wo sich die Tiere aufhalten.“, fügte Grisom hinzu.

Lias Blick glitt nachdenklich über die morgendliche Graslandschaft. In einiger Entfernung lief eine Herde, aber sie wusste nicht was für
Tiere es waren. Irgendwie hatte sie Angst vor diesem Land, auf der anderen Seite war sie aber auch neugierig. Die Landschaft erinnerte sie ein wenig an Westfall. Nur standen hier viel mehr Bäume, als zuHause. Ein Stich traf ihr Herz, als sie diesen Gedanken hatte. Heimweh. Sie hatte eindeutig Heimweh. Eigentlich sollte sie und Delgar nicht hier sein, sondern sollten auf der Farm spielen. Lia spürte, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten und fragte sich, ob es Delgar auch so erging.

„Wir sollte uns stärken und dann aufbrechen.“ Grisoms tiefe Stimme riss sie aus ihren trüben Gedanken.
„Ja. Ich habe einen Bärenhunger.“, stimmte Delgar zu.
Es hatte den Anschein, dass Delgar bis jetzt noch kein Heimweh verspürte. Lias Bauch meldete sich, auch sie verspürte jetzt
Hunger. Noch einmal streifte ihr Blick über das ihr fremde Land und die Tiere, die es bevölkerten. Plötzlich stutze sie. Eine kaum
wahrnehmbare rote Lichtsäule ragte in den Himmel. Doch es war wahrscheinlich nur eine optische Täuschung. Sie blinzelte. Doch nach
wenigen Sekunden konnte Lia sie immer noch deutlich sehen. Ob sie Grisom danach fragen sollte?
„Lia.“, rief ihr Bruder ihr zu. „Hast du keinen Hunger?“
Sie drehte den Kopf und schaute ihn an. „Doch sicher.“
Die Lichtsäule erwähnte sie nicht.

Nach einem bescheidenen Frühstück brachen sie auf. Grisom erzählte vom Brachland und von seinem Volk den Tauren. Auch von dem Krieg mit den Zentauren. Ein Stamm der Zentauren kontrollierten die Oasen, die sich im Brachland befanden. Sie waren wichtig für das Brachland. Aber immer wieder wurde um sie gekämpft. Im Augenblick waren sie wieder in der Hand der Zentauren. Doch der Taure war sich sicher, dass es in der nächsten Zeit sich wieder ändern wird.
Zu Lias Überraschung gingen sie in die Richtung der Lichtsäule, die sie entdeckt hatte. Anscheint hatte aber keiner der Beiden sie
bemerkt, denn weder Delgar noch Grisom machte darauf aufmerksam. Lia behielt ihre Entdeckung weiter für sich und beobachtete sie nur. Der Lichtschein blieb weiterhin nicht mehr als ein leichter roter Schimmer. Auch als sie sich dem Licht näherten, veränderte sich der Schimmer nicht, obwohl er hätte kräftiger werden müssen.
Ihr Begleiter erklärte ihnen das Land und das Volk der Tauren. Auch die ihnen fremden Tiere erklärte er. Einige waren harmlos, andere
gefährlich, die aber eher das Weite suchten, als anzugreifen, und wieder andere sollte man als Wanderer lieber aus dem Weg gehen.

Grisom machte einen Bogen und deutete auf eine kleine Siedlung, die Wegekreuz genannt wurde. Sie lag zwar nicht ganz in der Mitte des Brachlandes, hatte aber eine strategische Bedeutung. Richtung Norden ging es ins Eschental und der dortigen Kriegshymdenschlucht, während südlich von ihnen Camp Taurajo lag. Ein kleines Dorf, das an der Grenze zu Mulgor lag, dem Heimatland der Tauren. In Mulgor befand sich auch Donnerfels, die Hauptstadt der Tauren, die auf hohen mächtigen Felssäulen errichtet worden war. Grisom schwärmte von Mulgor und seinen grünen Wiesen. Weiter südlich von Camp Taurajo führte die südliche Goldstraße nach Tausend Nadeln. Das Gebiet bestand aus dutzenden von dicken und dünnen Felssäulen, die in den Himmel ragten. Von der südlichen Goldstraße zweigte auch ein Weg in die Düstermarschen ab. Ein Sumpfgebiet, in dem man bei jedem Schritt aufpassen musste.

Sie schritten weiter nach Norden. Die Lichtsäule sah Lia noch immer. Es hatte den Anschein, als würde sie aus einem Berg heraus leuchten. Sie war auch immer noch nicht mehr als ein Schemen, obwohl die kleine Gruppen ihr schon sehr viel näher gekommen war. Und weder ihr Bruder noch Grisom schienen sie zu sehen. Lia wusste nicht was es zu bedeuten hatte. Als sie den Berg gesehen hatte und bemerkte, dass sich dort diese merkwürdige Lichtsäule befand, verspürte sie mehr als nur Neugier. Zuerst war es nur seltsam, aber dann wurde es immer stärker. Ihr war, als würde etwas in ihrem Innersten gerufen. Sie hatte keine Ahnung was es war, aber diese Säule aus rotem Licht zog sie in ihrem Bann.
Als die Sonne hoch am Himmel stand, machten sie unter einem Baum rast. Der Stamm war so mächtig, dass sie nicht einmal, wenn sich
alle drei an den Händen gefasst hätten, drumherum gereicht hätten. Sein Blätterdach bot ihnen aber vor der brennenden Sonne Schutz. In Westfall war es auch immer sehr warm, aber hier flimmerte die Luft über den Boden.

Immer wieder schaute Lia verstohlen in die Richtung der Lichtsäule. Sie waren dem Berg schon sehr nahe gekommen und noch immer schien keiner der Beiden sie bemerkt zu haben. War es vielleicht ein Phänomen, das nur sie sehen konnte? Wenn ja, was für eine Bedeutung hatte es dann? Lia wollte, nein musste die Bedeutung dieser Säule herausfinden.

MaxSpace

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27

Sonntag, 25. August 2013, 18:23

Fundstücke Teil 2

Sein Reich befand sich im Nether. Es war ein kleines Reich im Vergleich zu anderen. Aber der Zugang zu ihm befand sich sehr gut versteckt in den Zangarmarschen. Viele waren schon an dem Eingang vorbeigegangen und hatten noch nicht einmal geahnt, dass es sich um einen Eingang zu einer anderen Welt handelte. Er war sehr stolz darauf. Es gab noch einen weiteren Eingang, obwohl es mehr ein
Notausgang war. Schließlich konnte man nie wissen. Tithrak war nur ein unbedeutender Untergebener in den Reihen der brennenden Legion. Er hatte zwar einige Erfolge erlangt, aber sie waren weit weniger bedeutend als die Erfolge anderer Schreckenslords. Aber dennoch war er stolz auf sein bescheidenes Reich, ein Reich, welches er erschaffen hatte und von dem niemand wusste. Mit Magie hatte er es in Jahre langer Arbeit im Nether erschaffen. Während die anderen seiner Art Höhlen oder gar tiefe verlassene Minen bevorzugten, war er hier. Es war viel sicherer als diese feuchten Löcher.

Auch seine Erscheinung zeigten, dass er eher unbedeutend war. Die Hörner auf seiner Stirn waren im Vergleich zu anderen klein. Die
Flügel besaßen ein merkwürdige Farbe, die an ein schmutziges Gelb erinnerte. Ebenso wie seine Statur. Sie war schmächtiger als bei den anderen Schreckenslords. Doch etwas an ihm strahlte Gefahr aus. Wenn man Tithrak genau betrachte hätte, dann wäre dem Beobachter die Augen aufgefallen. Es waren, wie bei allen Lords, keine normalen Augen, sondern sie leuchteten von innen heraus. Und sie hatte eine intensiv leuchtende rote Farbe. Die scharfen Gesichtszüge zeigten Entschlossenheit. Denn Tithrak hatte einen Plan entwickelt. Einen Plan, der ihn in der brennenden Legion aufsteigen ließ. Lange und vorsichtig hatte er daran gearbeitet. Tithrak hatte sich Zeit gelassen, genauso wie mit der Erschaffung seines kleinen Reiches. Keiner der anderen Schreckenslords hatte etwas mitbekommen, wie er es erschaffen hatte. Selbst Kil'jeaden oder einer seiner Spione hatten nichts von seinem Tun bemerkt. Auch darauf war er sehr Stolz.
Doch sein Plan war riskant. Er hatte ein Artefakt gefunden, welches mächtige Magie enthielt. Wenn er es in seinen Besitz bringen konnte, dann würde sich seine Macht vervielfachen und kein anderer Schreckenslord könnte es mit seiner Macht aufnehmen. Vielleicht
könnte er sogar zur rechten Hand Kil'jeaden aufsteigen. Doch so sehr Tithrak dieser Gedanke auch gefiel, so weit war es noch lange nicht.

Er wusste, wo sich das Artefakt befand, aber es gab ein Problem. Er musste jemanden finden, der es für ihn besorgte. Und es befand sich nicht in der Scherbenwelt, sondern auf Azeroth. Und so einfach kam er da nicht hin. Das dunkle Portal war umkämpft, ein anderes Portal konnte er nicht öffnen und dort gab so viele Abenteurer die ihm das Leben schwer gemacht hätten. Außerdem hätte er dann einige mächtige Magier auf das Artefakt aufmerksam gemacht. Dann wäre sein Plan gescheitert. Also hatte er sich in sein Reich zurückgezogen. Den anderen Lords war es egal was er tat, solange er nicht ihre Pläne störte. Insofern war seine Unbedeutenheit von Vorteil.
Tithrak hatte einen Menschen gefunden, der ihm helfen sollte, das Artefakt zu bergen. Nur dieser Mensch wusste das noch nicht. Er hatte bisher nur mit einfacher Gedankenkontrolle die Schritte des Menschen gelenkt. Immer nur einzelne Gedanken oder Ideen. Auch jetzt nahm er wieder vorsichtig Kontakt auf. Die Lage seines Reiches half ihm dabei, denn der Nether vereinfacht die Sache sehr. Auch konnten andere nur sehr schwer auf seine Handlungen aufmerksam werden. Der Nether verschleierte seine Magie.

Der Mensch befand sich in einer Bibliothek. Anscheint wollte er in Erfahrung bringen, wo er suchen musste. Tithrak war sich nicht
sicher, ob er sich dem Menschen zeigen und ihm sagen sollte, wo er suchen musste. Doch er entschied sich dagegen. Wenn etwas wider
erwarten schief laufen sollte, dann gab es keine direkte Verbindung zu ihm. So setzte er seine Magie ein und manipulierte behutsam seinen Geist. Tithrak ließ ihn Schriften lesen, die noch nicht einmal die Hüter der Schriften lesen konnten. Doch der Mensch wusste das nicht. Der Schreckenslord lies sich Zeit, doch dann wusste der Mensch wohin er gehen musste. Tithraks Diener, der von seiner Manipulation nicht das geringste ahnte, machte sich auf den Weg, während Tithrak sich wieder aus seinem Geist zurückzog. Er wusste, dass er nicht mehr führen brauchte. Es wäre auch zu anstrengend gewesen die ganze Zeit diese Art der Verbindung aufrechtzuerhalten. So brauchte er nur einen minimalen Aufwand, der ihm sagte, wo sich sein Diener befand. Eingreifen konnte er dann immer noch, wenn es nicht so verlief, wie er es geplant hatte.
Tithrak lehnte sich zufrieden in seinem Thron zurück und ein diabolisches Lächeln legt sich über sein Gesicht. Er braucht nur noch abwarten und Geduld haben. Und darin war er sehr geübt.


Die Sonne sank schon wieder dem Horizont entgegen, als sie endlich den Berg erreicht hatten. Kyra hatte sie inzwischen eingeholt und
wich ihrem Bruder nicht von der Seite. Unter einem großen Baum fanden sie ein kleines verlassenes Lager.
Grisom kniete sich nieder und betrachtete es eindringlich. Auch Lia betrachtete das Lager. Es war nicht mehr als eine erloschene
Feuerstelle, die von einem Ring aus Steinen eingefasst war. Etwas entfernt war das Gras niedergedrückt und eine kleine Mulde im Boden. Dort hatte wohl jemand übernachtet.
„Euer Freund ist anscheint nicht mehr hier.“ Die Enttäuschung in ihrer Stimme war deutlich zu hören. Lia wollte unbedingt etwas über
Magie hören oder gar lernen. Doch Grisoms Bekannter war weit und breit nicht zusehen und hatte das kleine Lager wohl schon aufgegeben.
„Er ist dort entlang.“ Delgar antwortete anstelle des Tauren.

Lia schaute ihren Bruder erstaunt an. Er hockte im Gras und starrte auf den Boden. Mit der linken Hand wies er an dem Fuß des Berges
entlang. Der Taure brummte zustimmend und sie war sich sicher, das er lächelte. Delgar stand auf und umschritt in einem kleinen Bogen das kleine Lager.
„Und von dort ist er gekommen.“, sagte er schließlich. Jetzt zeigte er auf die andere Seite des Berges.
„Toll.“, sagte Lia. „Dann haben wir ihn verpasst.“
Sie sah den Tauren enttäuscht an. Doch Grisom schien immer noch zu lächeln und schüttelte dabei leicht den Kopf, sagte aber nichts.
„Das glaube ich nicht.“, hörte sie Delgar sagen. „Ich glaube, der geht immer im Kreis um den Berg herum.“
Lia schnaubte. „Und woher willst du das wissen? Kannst du Hellsehen?“
„Nein.“, antwortete er. „Die Spuren verraten es.“ Sein Finger zeigte auf den Boden.

Lia wollte auffahren, doch Grisom beschwichtigte sie: „Es gibt Pflanzen die über Nacht wachsen. Oder die noch ein oder zwei Tage
brauchen, bevor Jang'mahi sie verwenden kann. Deswegen bleibt er immer ein paar Tage hier und umrundet den Berg.“
„Soll das heißen, dass euer Freund heute Abend wieder hierherkommt?“, fragte sie.
Der Taure nickte. „Ihr solltet schon einmal Feuerholz besorgen.“
„Und was macht ihr?“, wollte Delgar wissen.
„Ich werde auf die Jagd gehen.“, antwortete er. „Schließlich brauchen wir ja was zu essen.“
„Dann komme ich mit.“
„Du spinnst wohl!“, rief Lia. „Das ist viel zu gefährlich.“
„Aber ich muss doch lernen, wie das geht.“, protestierte ihr Bruder. „Außerdem ist doch Grisom und Kyra bei mir.“
„Und womit willst du jagen?“, fragte sie herausfordernd.
Erst schaute Delgar seine Schwester fragend an, bis plötzlich klar wurde was sie meinte. Waffen hatte sie schließlich nicht dabei. Doch
dann sah er Lia beinahe flehend an.
„Dann schaue ich einfach nur zu und lerne.“
„Nein.“, sagte sie entschieden.
Er trat auf sie zu und schaute seine Schwester nun wirklich flehend an. „Aber wir brauchen doch was zu essen.“
Ihr Blick wanderte hilfesuchend zu Grisom.
„Wir werden uns nicht weit entfernen und ich werde auf ihn aufpassen.“, sagte er mit beruhigender Stimme.

Es war nicht das, was sie hören wollte, aber dass der Taure ihre Angst um das Wohl ihres Bruders ernst nahm, ließ sie sich als Erwachsenen fühlen. Sie war die Ältere von Beiden und somit für Delgar, zumindest im Moment verantwortlich. Sie schaute wieder ihren Bruder an. Dann glitt ihr Blick zu dem Panther. Und wie zur Bestätigung trat Kyra neben ihren Bruder und rieb ihren Kopf an seinem Bein.
„Zisch schon ab.“, sagte sie schließlich.
Delgar jubelte laut auf und umarmte sie mit einem lauten 'Danke'.

Delgar und Grisom waren noch nicht zurück, als sie mit einem großen Bündel Holz wieder das Lager erreichte. Auch Grisoms Freund war noch nicht aufgetaucht. Lia hatte ein paar fremde Tiere gesehen, die sich ihr aber nicht genähert hatten. Einmal hatte sie sogar das gleiche Trompetengebrüll gehört, welches durch den Dschungel gehallt hatte, als diese Untier ihnen zu ihrer Flucht verholfen hatte. Allerdings klang es sehr weit entfernt zu sein.
Lia machte sich daran das Feuerholz aufzuschichten. Anzünden brauchte sie es aber noch nicht, schließlich stand die Sonne noch
hoch am Himmel. Ihr Blick streifte über die weite Steppe. In einiger Entfernung erblickte sie Tiere mit langen Hälsen. Mit eleganten
Schritten durchschritten sie die Ebene. Eine kleine Herde von einer Art Pferde begleitete sie. Sie sahen lustig aus. Ihr Fell war
schwarz-weiß gestreift und auf dem Kopf saß ein kleines Horn. Lia konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

MaxSpace

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28

Sonntag, 25. August 2013, 18:33

Fundstücke Teil 3

„Yo, das sind Zhevras.“ Die Stimme, die klang, als würde jemand durch die Nase sprechen, war direkt hinter ihr erklungen.
Lia hatte das Gefühl, als würde ihr Herz einen Schlag überspringen. Langsam drehte sie sich um. Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte, doch mit dem Anblick der Gestalt, die hinter ihr hockte hatte sie nicht gerechnet.
Ein blaues Etwas hockte auf der anderen Seite der Feuerstelle und schaute sie misstrauisch und doch voller Neugier an. Doch bei
genauerer Betrachtung war es gar nicht ein Etwas, sondern für Lia nur fremdartig.
„Darf ich mich vorstellen, maan.“, begann der Fremde mit nasaler Stimme. „Mein Name ist Jang'mahi.“
Lia braucht einige Sekunden, bis sie endlich begriff. „Sie sind der Freund von Grisom!“

Jang'mahi nickte. „Yo, ich habe ihn vorhin mit einem Menschenjungen getroffen und er hat von euch berichtet.“
Sie hatte zwar Angst, aber die Neugier wuchs. Vor ihr saß ein Magier. Jemand, der ihr zeigen konnte, wie sie ihre Magie einsetzen
und beherrschen konnte. Trotzdem war sie vorsichtig. Die Sekunden verstrichen, in denen sich die Beiden musterten. Ihr Gegenüber besaß eine blaue Hautfarbe, die Lia an das Blau des Himmel erinnerte. Zwischen zwei langen spitz zulaufenden Ohren befand sich ein schmaler Streifen roter Haare, die von vorne nach hinten verliefen und aufrecht standen. Die Nase hatte Ähnlichkeit mit dem Schnabel eines Raubvorgels und aus dem Mund ragten zwei mächtige Hauer nach oben. Die Arme waren muskulös. Und außer ein paar dünnen Lederbändern am Oberarm und einem Lendenschurz war die Gestalt unbekleidet.
„Ihr seit kein Taure, oder?“, brach Lia das Schweigen.
Jang'mahis Mund verzog sich zu einem Grinsen. „Nein, maan. Ich gehöre dem Stamm der Dunkelspeertrolle an.“ Er richtete sich bei diesen Worten auf und streckte voller Stolz die Brust heraus.

„Ihr beherrscht die Magie?“, platzte es aus Lia heraus. Eigentlich wollte sie das gar nicht, doch es war einfach so über ihre Lippen gekommen.
Wieder grinste der Troll. Es war ein freundliches Grinsen und Lia spürte, dass ihr wohl keine Gefahr drohte. „Ja, ich beherrsche die Magie.“, sagte Jang'mahi. „Und Grisom sagte mir, dass ihr wohl auch der Magie mächtig seit maan, aber sie noch nicht beherrschen könnt.“
Lia nickt heftig. „Könnt ihr mir es beibringen?“
Der Troll schaute sie an. „Yo. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis Grisom und der Menschenjunge wieder hier sind.“
„Er heißt Delgar und ist mein Bruder.“ sagte sie. „Und mein Name lautet Lia.“
„Yo, freut mich euch kennenzulernen Lia.“, antwortete der Troll. „Dann zeigt mir mal, was du so drauf hast, maan.“

Lia brauchte einige Versuche, bis endlich eine dunkle Kugel in ihrer Hand entstand. Aber dann schaute sie voller Stolz den Troll an. Und
wenn sie es richtig deutete, dann schien Jang'mahi zu grinsen oder zu staunen.
Er nickte. „Grisom hat recht, maan.“, begann der Troll. Lia konnte sich nicht helfen, aber die Aussprache, diese nasale Stimme, war irgendwie lustig. Sie hatte oft Mühe nicht losprusten zu müssen. „Ich habe selten einen Menschen gesehen, der ein solches Talent in sich birgt.“
Er trat näher und dann zeigte er Lia, was sie machen musste, damit sie die Magie nutzen konnte und verstand. Die Stunden verflogen und Lia lernte sehr viel von Jang'mahi. Sie wollte gar nicht mehr aufhören zu lernen. Und der Troll fand wohl auch ein wenig Spaß
daran, ihr die Magie zu zeigen. Lia beherrschte nicht nur Arkanemagie, Jang'mahi zeigte ihr auch andere Elemente. Feuer und Eis
waren auch sehr nützlich. Sie entzündete gerade mit einem Feuerball das Lagerfeuer, als Grisom und Delgar mit Kyra in Lager kamen.

Lia erzählte ihrem Bruder, was sie alles gelernt hatte. Auch Delgar hatte von Grisom eine Menge gelernt. Wie er mit Kyra in Verbindung
trat, Tiere und andere Lebewesen aufspürte und ihren Spuren folgte. Aber vor allem, wir er mit Kyra erfolgreich jagen konnte.
Während sich die Geschwister über den Tag unterhielten, bereitete Grisom ihre Jagdbeute für das Lagerfeuer vor. Nach einer Weile
steckte auf einigen Holzstöcken ein Stück Fleisch, welches in das knisternde Feuer gehalten wurde. Sie aßen schweigend. Sie Sonne war schon seit eine ganzen Weile hinter dem Horizont verschwunden. Die Tiere der Nacht hatten mit ihrem Konzert begonnen.
„Ihr gehört doch auch der Horde an, oder irre ich mich da?“, fragte Lia plötzlich.
Jang'mahi drehte ihr seinen Kopf zu. „Yo, das stimmt.“
Es dauerte ein paar Sekunden, bis Lia die nächste Frage nachdenklich stellte: „Es scheint, dass ihr, wie der gute Grisom hier, auch kein
großes Problem mit der Allianz habt.“

Jang'mahi stocherte mit einem kleinen Ast in der Glut. „Nicht mit jedem der Allianz.“
Sein Blick wanderte suchend zum Tauren. Es hatte den Anschein, als würden die Beiden sich wortlos und nur mit Blicken verständigen.
„In den vielen Kämpfe gegen die Allianz hat man so seine Erfahrungen gesammelt.“, begann Grisom. „Man wurde auf den Feind
eingeschworen.“
„Ja maan. Man hörte immer wieder wie grausam der Feind ist, oder was er mit Gefangenen anstellte.“
„Oder was er in der Zwischenzeit in eroberten Gebieten für grausame Taten begangen hatte.“, fuhr Grisoms tiefe Stimme fort.
„Aber wenn man dann feststellt, dass der Feind dann gar nicht dieses Monster ist, welches einem dargestellt wurde...“
„Dann kommt man schon mal ins grübeln, maan.“, beendete Jang'mahi den Satz.
Erst nach einer kleinen Ewigkeit schien Delgar zu fragen: „Was ist denn passiert?“
Jang'mahi schaute ihn an und er schien zu lächeln. „Wir haben die Allianz dann besser kennengelernt.“
„Und wie?“, wollte Lia wissen.
„Wir hatten die Aufgabe Städte und Dörfer auszukundschaften.“, erklärte Grisom.

„Yo, ich habe uns mit einem Zauber belegt, der uns das Aussehen von Menschen gab.“ Der Troll grinste breit. „Mein Zauber war echt gut, maan. Niemand hatte etwas bemerkt. Wir konnten unerkannt durch die Städte laufen.“
Grisom nickte. „Sturmwind ist sehr prächtig. Die Gebäude imposant.“, meinte der Taure anerkennend. „So haben wir auch die Sprache gelernt.“ Es hatte plötzlich den Anschein, als würde er sich zurückerinnern. „Wir hatten immer gedacht, alle würden sich gegenseitig bestehlen und hinterrücks ermorden.“

„Yo, zumindest laut unseren Kommandeuren.“, sprach Jang'mahi weiter. „Aber wir sahen spielende Kinder, freundliche Frauen,
lachende Männer. Es war genauso wie bei uns, maan. Nur das hier Menschen lebten.“ Schweigen trat in die Runde, doch nach einer
Weile sprach Jang'mahi dann weiter. „Yo, wir sind dann ins Grübeln gekommen.“, sagte er nachdenklich. „Und irgendwie ist uns dieser
Krieg sinnlos vorgekommen. Wenn ich so nachdenke, dann wüsste ich nicht, warum ich gegen die Allianz kämpfen sollte. Ich habe kein
Problem mit der Allianz, maan.“
Grisom nickte zustimmend. „Wir haben lange gesprochen und dann beschlossen, dass wir nicht mehr in diesen Krieg mitmachen. Wir
mussten uns verstecken, aber mit der Zeit sind wir wohl vergessen worden.“
Delgar gähnte, ebenso wie Kyra. Auch Lia spürte die Müdigkeit. Und so machten sie sich alle zum schlafen fertig. Sie drehte sich auf den
Rücken und schaute in den Nachthimmel. Unzählige Sterne funkelten auf sie hinunter. Dann hörte sie die Geräusche der Nacht. Insekten, Tierrufe, den Wind, alles zusammen ergab eine Melodie. Lia wusste nicht warum, aber sie fühlte sich wohl. Während sie der Melodie der Natur zuhörte fielen ihr die Augen zu und sie schlief ein.

Lia wusste nicht mehr was sie geweckt hatte. Als sie die Augen öffnete war es immer noch Nacht. Sie brauchte eine Weile, bis sie sich zurechtfand. Langsam richtete sie sich auf und schaute in die Runde. Delgar lag an die Körper von Kyra gekuschelt. Beide schliefen
friedlich. Auch Grisom und Jang'mahi schliefen tief. Das Lagerfeuer war klein geworden und spendete nur noch wenig Wärme, doch die
Steine, die das Feuer umschlossen strahlten ihre gespeicherte Wärme aus. Doch das alles sah Lia nicht. Irgendwas hatte sie geweckt.
Langsam schaute sie sich um. Und dann sah sie es. Die rote Lichtsäule, die sie schon auf dem Weg hierher bemerkt hatte. Jetzt in der Dunkelheit war sie deutlicher zu sehen, aber noch immer war sie mehr ein Schemen. Senkrecht stieg sie in den schwarzen Nachthimmel empor. Lia stand auf und ging auf die Lichtsäule zu. Ihr Ursprung musste irgendwo in der Nähe des Berges sein.Sie brauchte nicht lange zu suchen. Zwischen zwei Rippen, die vom Berg in die Ebene liefen, lag ein gigantischer Felsen, der wohl schon vor einigen Jahren aus dem Berg herausgebrochen und hier zum liegen gekommen war. Die Lichtsäule schien durch den Fels hindurch zugehen. Anscheint gab es unter dem Felsen einen Eingang.

In Lia stieg die Aufregung. Sie wollte unbedingt dort hinunter. Irgend etwas wollte, dass sie diese Höhle betrat. Konzentriert schaute Lia den Felsen an und versuchte sich zu erinnern, was Jang'mahi ihr heute beigebracht hatte. Er hatte ihr einige Zauber gezeigt und Lia hat sich an ihnen versucht. Einige waren erfolgreich, andere nicht. Sie musste noch viel üben, aber Jang'mahi war von ihr sehr beeindruckt. Sie beherrschte schon einige Feuer und Eiszauber, aber die Arkanemagie lag ihr am besten. Der Troll hatte ihr sogar sein Illusionszauber beigebracht.
Aber ihr fiel nur ein Zauber ein, mit der sie einen kleine Stein zum schweben gebracht hatte. Und das auch nicht gerade für lange. Auf
der anderen Seite würde sich dieser gigantische Felsen nicht von alleine bewegen, wenn sie ihn nur anstarren würde. Also fixierte sie
den Fels und konzentrierte sich. Doch nichts passierte.

Lia hatte das Gefühl, als würde sie schon Stunden den Felsen anstarren. Sie trat näher heran und konzentrierte sich erneut. Mit dem Stein hatte es schließlich auch nicht beim ersten Mal geklappt. Sie stellte sich den Felsen kleiner vor und mit den Armen drückte sie von unten gegen ihn. Das sie ihre Arme wirklich bewegte und dabei ihre Muskeln anspannte merkte sie nicht.
Plötzlich war ein Knirschen und Knacken zu hören. Von den Felsen fiel Staub und kleine Steine herunter. Und als Lia die kleine
Bewegung des riesigen Felsens sah, vergaß sie vor Erstaunen sich weiter zu konzentrieren. Der Felsen war nicht sehr hoch, doch als er
auf den Boden zurückfiel, spürte Lia die Erschütterung. Außerdem war der Lärm mit Sicherheit über einige Entfernung zuhören gewesen.
Wieder fixierte sie den Felsen, doch nun wusste sie, dass sie es schaffen konnte. Erneut hörte sie das Knirschen und Knacken, doch
diese Mal huschte ein kurzes Lächeln über ihre Lippen. Kleine Schweißtropfen bildeten sich auf ihre Stirn. Unendlich langsam bewegte sich der Felsen von seinem Platz und legte so tatsächlich einen Eingang frei.

Als der Felsen den Boden wieder berührte sackte Lia in die Knie. Sie war völlig erschöpft und brauchte einige Minuten, bis sie sich wieder auf den Beinen halten konnte. Aus dem Eingang strahlte ihr ein rotes Licht entgegen. Sie wusste nicht, was sie dort vorfinden würde, aber sie musste dort hinein. Langsam schritt sie auf den Eingang zu. Lia holte noch einmal tief Luft und ging dann durch die Öffnung. Ein schmaler Gang nahm sie auf. Es waren keine Fackeln an den Wänden und trotzdem war es hell. Das Licht schien aus den Wänden herauszukommen.
Angst stieg in ihr auf, aber ihre Neugier überwog noch. Der Gang war lang, doch dann mündete er in eine großen Höhle. Lia blieb kurz
hinter dem Eingang stehen. Die Höhle war hell erleuchtet und hatte einen Durchmesser wohl dreißig Männerschritte von Wand zu Wand.
Auch in der Höhe war sie sehr hoch. In der Mitte befand sich ein kleines Podest. Langsam ging Sie darauf zu. In dem Podest steckte ein
Stab.
Er sah prächtig aus.
Das Podest erstrahlte in hellem, leicht rötlichem Licht. Als Lia das Podest erreichte betrachtete sie den Stab genauer. Sein Holz war weiß und besaß eine leichte Marmorierung. Am oberen Ende saß ein großer roter Stein. Er schien leicht zu pulsieren. Von der Form her erinnerte er sie an den Zahn eines Tieres. Er war überwältigend schön.

Die Erscheinung eines Drachen, die sich neben dem Podest bildete, sah sie nicht.
„Seit gegrüßt.“, sagte die Erscheinung. „Ich habe lange auf euch gewartet.“

yalathar

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Sonntag, 25. August 2013, 19:58

Du weißt wirklich, wie man die Leute an eine Story fesselt. Ich hoffe, es geht irgendwann weiter :)

Danke!
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(Mahatma Gandhi, 1869-1948)

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30

Montag, 26. August 2013, 11:24

Auch von mir ein dickes Dankeschön

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